Gleich mehrfach mussten die Schiris Al-Dersimspor in der Vergangenheit Rot zeigen.
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BerlinDas Sportgericht des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) hatte über den Berlin-Ligisten Al-Dersimspor ein Urteil zu fällen. Und das fiel nach Ansicht des Schiedsrichterausschusses des Verbandes viel zu milde aus. Ein Spieler wurde wegen eines Angriffs auf einen Schiedsrichter bis zum 31. Dezember 2020 gesperrt und muss ein Anti-Gewalt-Training absolvieren, wenn er wieder spielen will. Auf eine Schwarze Liste gesetzt, wie vom Schiri-Ausschuss und vom Spielausschuss gefordert, wurde er jedoch nicht. Zudem muss die komplette Mannschaft von Al-Dersimspor, die in der Berlin-Liga um den Klassenerhalt kämpft, bis zum 31. März 2020 eine Regelschulung absolvieren. Bei Heimspielen muss Al-Dersim fünf Ordner stellen, die sich beim Referee vor Spielbeginn melden müssen.

Krasser Fall

Dieser Richtspruch ist deshalb zu milde, weil der Fall zu krass ist. Am 22. September war im Spiel der Berlin-Liga zwischen Gastgeber Al-Dersimspor und dem Frohnauer SC (2:4) Schiedsrichter Stefan Paffrath, 38, massiv attackiert worden, weil er vier Spielern von Al-Dersimspor die Rote Karte gezeigt hatte, drei davon in den letzten Spielminuten. Nach dem Abpfiff soll der Kapitän von Al-Dersimspor Paffrath ins Gesicht geschlagen haben. Berlins Schiedsrichter-Ausschuss beschloss, bis zum Urteil des Sportgerichts keine Unparteiischen mehr zu Spielen von Al-Dersimspor zu entsenden. Der Verein wurde bis zur Entscheidung des BFV-Sportgerichts für alle Spiele gesperrt.

Ein Anfang. Doch das jetzige Urteil wird vom Schiedsrichterausschuss heftig kritisiert – völlig zurecht. Es hätte wahrlich abschreckendere Sanktionen geben können. Eine saftige Geldstrafe etwa, gepaart mit einem Punktabzug oder gar einem Verlust der Heimspielstätte. Auch dürften Fußballer, die derart auffällig werden, für keinen Berliner Verein mehr spielen. Beizupflichten ist der Einschätzung des Urteils von Ralf Kisting, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Schiedsrichter-Ausschusses: „Das ist ein Witz.“ Im März des kommenden Jahres sei die Saison beinahe beendet. Dann also, wenn die Mannschaft die Schulung spätestens absolviert haben muss.

Ausschuss ist perplex

Ebenfalls milde ist das Urteil darin, dass die ausgefallenen Partien gegen den Berliner SC, Türkiyemspor und die Füchse neu angesetzt und dann gewertet werden. Die mit Rot bedachten Spieler wurden für bis zu vier Spiele gesperrt. Sie hatten sich immerhin der Tätlichkeiten, Beleidigungen und des brutalen Foulspiels schuldig gemacht. Die Wortwahl der heftigen Beschimpfungen, die einige Spieler dem Schiedsrichter entgegen warfen, soll an dieser Stelle besser nicht wiedergegeben werden.

Der Schiedsrichterausschuss ist angesichts der Gewalt auf Berliner Fußballplätzen nach diesem milden Urteil perplex. Kisting zur Berliner Zeitung: „Mir fehlen die Worte!“ Jedenfalls werden so die vielen aggressiven Spieler in den Berliner Amateurklassen nicht davon abgehalten, ihren Frust an den Unparteiischen abzureagieren.

Bleibt wenigstens zu hoffen, dass sich die Mannschaft von Al-Dersimspor in Zukunft endlich fairer verhält als in der Vergangenheit.