Kommentar zum 1. FC Union Berlin: Das war kein Scheitern, sondern eine bemerkenswerte Kampagne

Berlin - Was Katja Ebstein mit dem 1. FC Union zu tun hat? Nun, einer ihrer größten Hits kommt einem sogleich in den Sinn, wenn man nach der 1:3-Niederlage in Braunschweig vom Montagabend für die Köpenicker nach einem hoffnungsgebenden Ansatz sucht. „Wunder gibt es immer wieder“ sang die Epstein im Jahre 1970 als Beitrag zum Eurovision Song Contest. Aber gilt das auch jetzt für Union? Bei sechs Punkten Rückstand auf die Tabellenplätze zwei und drei, bei gerade mal noch zwei ausstehenden Spielen? Es ist das unwahrscheinlichste Wunder in der Geschichte der Zweiten Liga. Aber: Egal!

Der 1. FC Union, das darf auch schon nach 32 von 34 Spieltagen in der Zweiten Liga festgehalten werden, hat eine klasse Saison gespielt – auch wenn für den ganz großen Coup doch letztlich ein Stück Qualität gefehlt hat. Eine Saison, in der einem vor Augen geführt wurde, welche Kräfte bei den Eisernen freigesetzt werden können, wenn dieser Klub ins Träumen kommt. Dann ist dieser Fußballklub doch etwas mehr als eine sportliche Unternehmung, nämlich ein gesellschaftliches Phänomen.

Ein Kiezklub im allerbesten Sinne

Ein Kiezklub im allerbesten Sinne, der mit seinen Eigenarten landesweit, ach was, auch in anderen Ländern, als Oase des Ursprünglichen wahrgenommen wird. Wenngleich natürlich auch dem größten Romantiker bewusst sein muss, dass nachhaltiger Erfolg auch in Köpenick nur möglich ist, wenn man das von kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten bestimmte Spiel mitspielt.

So darf an dieser Stelle – vielleicht ja doch sogar ein wenig voreilig – aber dennoch ein bisschen Trost gespendet werden. Und das geht so: So zu bleiben, wie man als Fußballklub ist, fällt in der Zweiten Liga leichter als in der Ersten. Oder: Das war kein Scheitern, sondern eine bemerkenswerte Kampagne, die nach einer Neuauflage verlangt.

Übrigens: Katja Ebstein sang sich vor 47 Jahren beim internationalen Eurovision-Gesangswettbewerb mit „Wunder gibt es immer wieder“ auch auf Platz drei.