Berlin - Ich wusste es in der 77. Minute. Da war es einfach klar: Union steigt auf.

Robert Zulj hatte sich gerade den Ball für einen Freistoß in Strafraumnähe zurechtgelegt, vor der Waldseite, wo ich selbst vor vielen Jahren gestanden habe, wo noch heute Freunde und Bekannte von mir stehen. Und auf einmal erklang es aus zehntausenden Kehlen: "Torsten Mattuschka, du bist der beste Mann. Torsten Mattuschka, du kannst was keiner kann. Torsten Mattuschka, hau' ihn rein für den Verein."

Klar, Torsten Mattuschka spielte gar nicht mit, saß aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwo auf der Haupttribüne und genoss diesen Abend auf seine ganz eigene Art. Und doch war der Gesang ein kurzer Blick zurück in eine Vergangenheit, in der Union schon längst kein viertklassiger Amateurklub, aber eben auch noch längst kein Spitzenteam in der Zweiten Bundesliga war. Damals, als es das Größte war, wenn "Tusche" sich den Ball zum Freistoß zurechtlegte, um vielleicht noch in letzter Minute irgendwie einen Punkt gegen die SpVgg Greuther Fürth zu sichern.

Vom Beinahe-Pleite-Klub zum Bundesligisten

In der 77. Minute, bei diesem Lied und der Erinnerung an diese Momente an der Alten Försterei wurde mir klar: Diese Zeiten sind vorbei, Geschichte und die knüppelharten Dritt- und Viertligazeiten schon lange. Und das ist in gewisser Weise großartig. Weil Union es, Seite an Seite mit seinen Fans, ganz alleine geschafft hat. Vom Beinahe-Pleite-Klub zum Bundesligisten.

Einem Bundesligisten wohlgemerkt, dem man vertraut, dass er weder direkt absteigt noch seine Werte, die über Jahrzehnte gewachsen und in den Herzen aller Unioner verankert sind, verlieren wird. Einem Bundesligisten, der auch in der Stunde des größten Erfolgs für wenige Sekunden an die Helden denkt, die ihn dahin gebracht haben, wo er heute ist.