Ascona - Die Aufgabe für Joachim Löw war schwierig: Vier Spieler seines Kaders musste er am Dienstag nach Hause schicken, ohne dass anschließend einer fehlte. Dass er drei Flügelspielern das Ticket zur Europameisterschaft verwehrte, war eine Überraschung, doch bleiben fünf Kandidaten für zwei Positionen – das sollte genügen, zumal Löw in Lukas Podolski offenbar mehr sieht als nur einen Talisman, der wegen seiner freundlichen Art zum Kader gehört.

Für die Gestrichenen ist es bitter. Marco Reus verpasst die EM verletzt, schon 2014 musste er die WM-Teilnahme kurzfristig stornieren. Bellarabi war im Liga-Finale zwar formstärker als mancher Konkurrent, erlitt aber in der entscheidenden ersten Trainingswoche von Ascona eine Verletzung, die das enge Rennen entschieden haben dürfte. Die Causa Brandt war aus Löws Sicht wohl vor allem eine Entscheidung für Leroy Sané, der ein deutscher Weltstar werden kann und dem man offenbar zutraut, schon in den nächsten fünf Wochen den internationalen Durchbruch zu schaffen. Und Sebastian Rudy? Für den Hoffenheimer sprach seine Vielseitigkeit: Er kann auf der Rechtsverteidiger-Position spielen und im defensiven Mittelfeld – doch auf beiden Positionen hat Löw Bessere. Am Ende lag der sehr ähnliche Joshua Kimmich im direkten Vergleich vorn. Der Münchner bleibt wie Julian Weigl aus Dortmund im Kader, der Bundestrainer reist also mit zwei Spielern zur EM, die zum ersten Mal überhaupt im Kreis der A-Nationalmannschaft dabei sind.

Im Paket mit Sané stehen Weigl und Kimmich für einen durchaus mutigen, jungen und fantasievollen deutschen Kader, der auf den Positionen eins bis 15 dennoch über ausreichend Turniererfahrung verfügt, um in Frankreich zu den Favoriten zu zählen. Es sind zwar vier Spieler am Dienstag nach Hause gereist. Doch es fehlt keiner.