Cristiano Ronaldo von Juventus Turin wurde bereits positiv auf Covid-19 getestet.
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BerlinDer Appell, den Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst an uns alle richtete, war eindrücklich: „Ich bitte Sie: Verzichten Sie auf jede Reise!“ Vor diesem Hintergrund wirkt es einmal mehr irritierend, wenn in diesen Tagen die große Welle an Städtereisen durch Europa schwappt. Die Champions League und Europa League im Fußball startet, die Teams bewegen sich von einem Risikogebiet ins nächste.

Viele Großveranstaltungen in diesem Jahr wurden in einer sogenannten Blase abgehalten, die US Open oder die Tour de France zum Beispiel. Aber selbst bei diesen Formaten, in denen die Sportler und Funktionäre über Wochen hinweg streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit lebten und wettkämpften, kam es zu Infektionen. Es ist nur eine Frage, bis positive Corona-Fälle - oder zumindest Verdachtsfälle - die Klubs aufschrecken werden. Allzu große Aufregung wäre allerdings heuchlerisch, denn die Erkrankungen von Sportlern und ihrer Familien werden durch internationale Wettbewerbsformate billigend in Kauf genommen. Was im Übrigen nicht nur für den Fußball gilt. Auch das Berliner Basketballteam von Alba kehrte mit einem Verdachtsfall von einem Euroleague-Auftritt in Moskau zurück.

Es ist das gute Recht einer jeden Branche, den Normalbetrieb auch in schwierigen Zeiten aufrechterhalten zu wollen. Und natürlich ist das Fußballbusiness wie alle anderen Wirtschaftszweige darum bemüht, die finanziellen Ausfälle so gering wie möglich zu halten. Dass Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke jüngst von einem „populistischen Fußball-Bashing“ durch Politik und Medien schwadronierte und vor einem erneuten Lockdown seiner Branche warnte, offenbarte doch einmal mehr den Gedankengang, dass die kickende Zunft doch bitte losgelöst zu verstehen ist. Entsprechend wird nun auch munter durch Europa gereist.