Am Ende haben sie wieder gesungen: You’ll never walk alone. Und es war sicher kein Zufall, dass auch Mohamed Salah dort stand, im Stadion an der Anfield Road, vor der Tribüne mit den Fans des FC Liverpool. Salah hatte nicht gespielt, war nicht beteiligt gewesen an diesem sensationellen 4:0 gegen den FC Barcelona, das nach dem 0:3 im Hinspiel den Einzug ins Finale der Champions League bedeutete. Eine Gehirnerschütterung verhinderte sein Mitwirken. Um ihn herum versammelten sich nun diejenigen, die gespielt hatten, fand sich auch Jürgen Klopp ein, der Trainer, natürlich auch er. You’ll never walk alone. An diesem Dienstagabend ging niemand allein vom Platz.

Die Geschichte des Fußballs ist um ein Wunder reicher und Jürgen Klopp seiner Unsterblichkeit in den Augen der Liverpooler Fans einen guten Schritt näher gekommen. In der Szene vor der Tribüne am Dienstagabend verdichtete sich noch einmal diese einzigartige Liaison zwischen Trainer, Team und Klub: die Hymne "You’ll never walk alone" ist mehr als nur Folklore, sie ist zum gelebten Motto geworden. Dank Klopp.

Glaube, der sich überträgt

Leute mitzureißen ist die ganz große Stärke des 51 Jahre alten gebürtigen Stuttgarters. Mentalitätsmonster, diesen Begriff hat Klopp in der Nacht zu gestern erfunden. Er meinte damit seine Spieler, aber eigentlich ist er dieses Monster, das motiviert. Seine Emotionalität mag polarisieren, doch sie verfehlt ihre Wirkung nicht. Klopp glaubt an das Unglaubliche, so sehr, so überzeugend, dass am Ende auch die Mannschaft seinen Glauben teilt. Ungeachtet aller Rückschläge, ungeachtet der Verletzungen, die das Team immer wieder zurückwarfen, die Ausfälle von Naby Keita, Roberto Firmino und eben Mohamed Salah.

Gut möglich, dass Klopp am Ende ohne Titel dasteht. Am letzten Spieltag der Saison in der Premier League am Sonntag muss der FC Liverpool auf einen Ausrutscher von Manchester City bei Brighton & Hove Albion hoffen, um zum ersten Mal seit fast 30 Jahren wieder Meister zu werden. Im Europapokal ist die Trophäe zum Greifen nah.

Statistik spricht gegen Klopp

Mag sein, dass die Statistik gegen Klopp spricht. Die jüngsten sechs Endspiele, die er als Coach zu verantworten hatte, gingen allesamt verloren. In schmerzhafter Erinnerung dürfte den Liverpoolern das 1:3 im Finale der Champions League in der vergangenen Saison gegen Real Madrid geblieben sein. Bei den Fans jedoch hat Klopp den Heldenstatus sicher, ob strahlend oder tragisch wird sich zeigen.

Warum das so ist, hat Mohamed Salah erklärt. Vor der Tribüne, ohne Worte mit seinem T-Shirt. Darauf stand: Never Give Up.