Wenn ein Tor fällt, traut sich doch niemand mehr zu jubeln, hat Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, am Sonnabend nach dem 0:0 auf Schalke gesagt. Was in Anbetracht der zahllosen Wappenküsser und Herzchenformer, die nicht nur in der Bundesliga ihr Unwesen treiben, gar ein Glück wäre. Streich allerdings zielte natürlich vielmehr auf das Chaos, das Schiedsrichter Frank Willenborg in Zusammenarbeit mit dem Videoassistenteen Harm Osmers bei der Auslegung der Handspiel-Regel verursacht hatte.

Beim ersten Mal, in der 31. Minute, verwehrte Willenborg nach Rücksprache mit Osmers den Schalkern einen Strafstoß, nachdem Freiburgs Lukas Kübler im Sechzehner gleich mehrfach der Ball an Hand und Arm gegangen war, und sah sich damit in seiner Entscheidung bestätigt. Beim zweiten Mal, in der 81. Minute, revidierte er nach Rücksprache mit den Kellerkindern in Köln, allerdings sein Urteil, weil bei der Aktion des Schalkers Omar Mascarell dann wohl doch kein absichtliches Handspiel vorlag.

Genervt von all den Diskussionen, die das eine (Handspiel-Regel) wie das andere (Videobeweis) in den vergangenen Monaten provoziert haben, sieht man sich im Februar 2019 zu einem unmissverständlichen Appell veranlasst. Er lautet: Erarbeitet für das Handspiel endlich eine konkrete, möglichst übersichtliche Regel! Und: Bringt den Videobeweis nur bei vermeintlich gravierenden Fehlentscheidungen zum Einsatz und nicht als technische Hilfe bei jedweder Unsicherheit!

Der Glaube geht verloren

Es braucht eine klare Linie, die es beispielsweise beim Thema Handspiel nicht gibt, wie zwei Zitate eindrucksvoll bestätigen. Das eine stammt von Jochen Drees, dem Projektleiter Video-Assistent im Deutschen Fußball-Bund, es lautet: „Wir legen Handspiele heutzutage eher als strafbar aus, als das vielleicht noch vor fünf Jahren der Fall gewesen ist.“ Das andere stammt von Lutz-Michael Fröhlich, dem Sportlichen Leitern der Elite-Schiedsrichter beim DFB, es lautet: „An der aktuellen Diskussion um das Handspiel stört mich aber, dass immer wieder davon geredet wird, dass es sich um eine neue Regelauslegung handele. Das stimmt nicht.“

So jedenfalls geht bei den Protagonisten, bei den Trainern und Spielern, aber auch beim Fan der über Generationen hinweg tradierte Glaube verloren, dass sich das alles am Ende der Saison tatsächlich wieder ausgleicht. So bringen sich die Schiedsrichter auch noch um den letzten Funken Autorität.