Auch auf die Gefahr hin, dass der europäische Fußballverband den Vorschlag zum Regelfall mach: Die Uefa ist ja bekannt dafür, immer mehr Formate für immer mehr Spiele zu erfinden; auf dass mit dem Ball der sprichwörtliche Rubel rollt. Doch Eintracht Frankfurt hätte sich in der Europa League ein Spiel um Platz drei verdient; auf dass mit dem Ball nicht eine internationale Saison zum abrupten Stillstand kommt: im Elfmeterschießen des Halbfinales vom Fuß des Frankfurter Stürmers Paciência in den Fängen von Chelseas Torwart Kepa landet - Schluss, aus, Feierabend.

Das hat sie nicht verdient, diese Mannschaft der Eintracht. Nicht, weil ihr Fußball zum Besten zählt, was die zweite kontinentale Liga zu bieten hat. Vielmehr ist es der Geist, der dieses Team durch eine außergewöhnliche Spielzeit trieb. Teamgeist eben, dieser besondere Glaube an die Kraft des Kollektivs. Dass der Tore versetzen kann, gilt inzwischen als Mythos. Wird er aber zur Realität, entfacht er eine Begeisterung, die über den eigenen Anhang hinausgeht.

So ist es bei der Eintracht gewesen. Leidgeprüfte Fans anderer Klubs mag er Trost spenden angesichts ihrer Misere: Graumäusigkeit ist kein Schicksal, lautet die Botschaft, es gibt Mittel gegen Morbus MSV Duisburgus. Und dem erfolgsorientierten Fan mit einem Hang zum FC Bayern entlockt sie immerhin ein: „Schau mal an.“

Schießt Geld Tore?

Und jetzt? Schießt Geld doch Tore? Immerhin stehen vier Klubs der reichsten Liga in den beiden Endspielen des Europacups: der FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur in der Champions League und eine Etage tiefer nun der FC Chelsea gegen den FC Arsenal.

Am Ende belegt Eintracht Frankfurts Aus gegen Chelsea die These, dass sich Talent beim Geld ansiedelt. Dass Talent vielleicht nicht alles ist, aber im letzten Moment entscheidet. Dass ein verschossener Elfmeter diesen Beweis erbringt, hat der Mythos vom Teamgeist nicht verdient. Und Eintracht Frankfurt sowieso nicht. Nicht nach dieser Saison.