Kommentar zur Fan-Randale: Der 1. FC Union und Hertha BSC müssen miteinander reden

In Reaktion auf die Vorkommnisse beim Stadtderby hat sich Union-Präsident Dirk Zingler mit einem am Montag in die Öffentlichkeit versandten Brief an die Mitglieder seines Klubs gewandt. Wichtig scheint ihm dabei vor allen Dingen eine differenzierte Analyse der verstörenden Geschehnisse im Stadion An der Alten Försterei zu sein.

Einerseits übt er bezüglich der Tatsache, dass sich eine „Gruppe“ mit einem „rücksichtlosen Vorgehen“ Zutritt ins Stadion verschaffen konnte sowie des von circa 15 Personen aus dem Union-Block unternommenen Versuchs eines Platzsturms  nach Spielschluss, erst mal ausgiebig Selbstkritik. Man wäre organisatorisch „nicht auf einen solchen Angriff aus den eigenen Reihen nicht vorbereitet“ gewesen, werde analysieren, „welche Veränderungen und Verbesserungen“ man dahingehend vornehmen könne.

Andererseits verurteilt er aufs Schärfste die „unaufhörlichen Angriffe aus dem Gästeblock“. Zitat: „Dieses kriminelle und asoziale Verhalten gefährdete die Fortsetzung des Spiels und ist absolut inakzeptabel.“ Mehr wolle er dazu nicht sagen.

Klare Verhaltensregeln

Muss er auch nicht, da doch allen inzwischen klar ist, dass dieses Stadtderby die Feindseligkeit zwischen den beiden Berliner Bundesligisten um ein doch ziemlich bedenkliches Maß verstärkt hat. Schließlich machte doch der eine den anderen, ohne dass das freilich einer offen zu artikulieren wagte, unterschwellig für das wüste Treiben während und nach der Partie verantwortlich. Und letztendlich wurde keine Absicht dahingehend geäußert, dass man für diesen auch in der Auswirkung katastrophalen Fußballabend doch schleunigst eine gemeinsame Ursachenforschung betreiben und daraus präventive Maßnahmen ableiten sollte.

Im Hinblick auf das Rückspiel, das am dritten Märzwochenende kommenden Jahres ausgetragen wird,  birgt diese Konfliktlage jede Menge Gefahr. Und das nicht nur für die 90 Minuten Fußball im Olympiastadion, sondern auch für das Vor- und Nachspiel, das unter den zur Gewalt bereiten Fußball-Fans ja gern mal abseits des Stadions ausgetragen wird. Ein zeitnaher Dialog scheint also not zu tun, zwischen den Verantwortlichen im Klub, damit die Anhänger beider Seiten für das nächste Duell klare Verhaltensregeln auferlegt bekommen. Damit der Fußballwahn in der Stadt nicht zu einer chronischen Krankheit ausartet.