Kommentar zur Major League Baseball: Bronx-Protze

Ist es nicht schön, dass es die New York Yankees gibt? Die Baseball-Mannschaft aus der Bronx ist ein wahres Leuchtfeuer des Weltsports. Mit großer Zuverlässigkeit, abgesehen von ein paar seltenen verzeihlichen Ausrutschern, gibt das Team der Industriellenfamilie Steinbrenner all jenen Hoffnung, die nicht mithalten können mit der Finanzkraft der Big Spender ihrer jeweiligen Sportart, die nicht über eine endlose Kette von Siegen und Titeln verfügen, denen die Arroganz der Mächtigen fremd ist, und deren Tradition im Wesentlichen darin besteht, sich jedes Jahr aufs Neue irgendwann in die Obskurität der Niederlage zu verabschieden.

Nehmen wir die Detroit Tigers. Erst viermal haben diese in ihrer 117-jährigen Geschichte die World Series der Major League Baseball (MLB) gewonnen, zuletzt waren sie 1984 Champion. Ihr Spieleretat beträgt ziemlich exakt die Hälfte jener 200 Millionen Dollar, mit denen die Yankees aufwarten. „Ich kann bis 27 zählen“, knurrte Tigers-Coach Jim Leyland, als er gefragt wurde, wer denn der Favorit im Playoffduell gegen New York sei.

27 Titel haben die Yankees, der drittteuerste Klub der Welt nach Manchester United und den Dallas Cowboys, gewonnen, dennoch verloren sie am Donnerstag das entscheidende Spiel der Serie gegen Detroit und schieden wie so oft in den vergangenen zehn Jahren in der ersten Runde aus. Lediglich 2009 hatten sie die World Series gewonnen, viel zu wenig für ein Team, das jede Saison aufs Neue mit großem Abstand der Krösus der Liga ist und den Konkurrenten Jahr für Jahr die besten Spieler wegkauft.

Man kann nicht einmal sagen, dass die Yankees schlecht gespielt haben, in fast allen wichtigen statistischen Kategorien des Baseball waren sie klar besser als die Tigers und erreichten über die fünf Matches ein Resultat von 28:17. Trotzdem schafften sie das Kunststück, drei Spiele zu verlieren, das letzte in ihrer eigenen, sündhaft teuren Arena, wo das billigste Ticket 52 Dollar kostet. Die Schadenfreude über das Aus der Bronx-Protze ist wie immer groß, und zumindest für einen Moment können sich die weniger betuchten Vertreter des US - oder Weltsports einreden, dass Geld eben doch nicht alles ist. Gut, dass es die Yankees gibt.