Berlin - Ein guter Referee fällt nur dann auf, wenn er gar nicht auffällt. Dieser Satz ist in Schiedsrichter-Kreisen ein ungeschriebenes Gesetz. Deniz Aytekin fiel in einem hitzigen Berliner Stadtderby zwischen Union und Hertha durch seine ruhige und besonnene Spielleitung eben nicht auf – und war damit bester Mann auf dem Platz. Der gebürtige Nürnberger hat einmal mehr bewiesen, dass er zurzeit Deutschlands Bester ist.

Der 1,97 Meter große Franke legte an diesem zuweilen hitzigen und chaotischen Abend in Köpenick einen souveränen Auftritt hin, hatte vom Anpfiff weg alles im Griff. Der 41 Jahre alte Fifa-Referee spielte sich nicht unnötig auf, agierte stattdessen besonnen, cool, abgezockt und hatte immer eine lockeren Spruch auf den Lippen. Jederzeit genoss Aytekin die Akzeptanz der Spieler. Ein Beispiel dafür? Nach einem Foulspiel im ersten Durchgang klatschte Union-Stürmer Sebastian Andersson sogar mit dem Schiri ab.

Deniz Aytekin: Vierfacher Familienvater und Hobby-DJ

Nicht nur bei den Spielern, auch bei den Schiedsrichterkollegen genießt Aytekin, der in seiner Freizeit schon mal als DJ in weißem Hemd und schwarzer Sonnenbrille auf House-Festivals auftaucht, ein großes Ansehen.

Die hitzige Derby-Atmosphäre mit Pyrotechnik und Leuchtraketen? Für den vierfachen Familienvater kein Problem. Der Deutsche mit türkischen Wurzeln moderierte den Pyro-Wahnsinn mit kühlem Kopf und klarem Durchblick weg und ist damit einer der Gewinner eines skandalösen Derbys. Dass das Spiel nicht abgebrochen wurde, ist auch Deniz Aytekin zu verdanken.

Gut so! Schiris sollten sich öfter stellen

„Die oberste Priorität war, das Spiel sicher nach Hause zu bringen“, sagte der Schiri des Jahres 2018/2019 hinterher. Dass er sich nach dem Spiel vor die TV-Kameras stellte und den Journalisten seine Sicht der Pyrovorfälle und seinen Weg zur Entscheidungsfindung des Elfmeterpfiffes schilderte, war erfrischend. Der DFB sollte seine Schiedsrichter im Übrigen öfter vor die Kamera stellen und ihnen die Chance geben, sich zu stellen und auch brisante Entscheidungen zu erklären. Das würde Transparenz und Verständnis schaffen.

Aytekin, von Beruf Betriebswirt, ist seit seinem 17. Lebensjahr Schiedsrichter. Seit 2004 ist er als Unparteiischer auf der DFB-Liste, feierte im Übrigen vor elf Jahren seine Premiere im Spiel Hertha gegen Cottbus. Das Berliner Derby war sein 167. Spiel im Oberhaus. Dass er bislang als Highlight „nur“ das DFB-Pokalfinale 2017 pfeifen durfte, ist bei seinem souveränen und selbstkritischen Auftreten fast schon tragisch. „Schade, dass Aytekin nicht drei Spiele am Wochenende pfeifen kann“, meinte A. Thies auf Twitter. Recht hat er.

Chapeau, Herr Aytekin!