Los Angeles - Das Veteranenboxen zwischen Mike Tyson, 54, und Roy Jones Jr., 51, hat vorher wie hinterher eine Menge Raum für Interpretationen gelassen. „Ich bin froh, dass ich nicht k.o. gegangen bin“, sagte Tyson nach dem Unentschieden. „Ich werde im nächsten Kampf besser sein.“ Klar ist nach dem Show-Spektakel in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag: Das Comeback nach 15 Jahren war für Mike Tyson keine einmalige Sache.

Aber was war das ansonsten? Der Beweis, dass frühere Profisportler, die in ihren besten Zeiten Millionen von Menschen inspiriert und begeistert hatten, auch als Ü50-Promis noch immer für etwas gut sein können? Dass nicht nur Ü50-Frauen wie Jennifer Lopez für ihre unglaubliche Fitness bewundert werden dürfen, sondern auch Männer, die sich Körperspeck ab- und Muskeln wieder auftrainieren? Natürlich hat der Mammon  eine Hauptrolle gespielt bei der Veranstaltung im leeren Staples Center von Los Angeles.

50 Millionen Dollar wurden ausgegeben, um per Stream das soziale Netzwerk Triller bekannter zu machen. In Deutschland mussten Sky-Abonnenten 20 Extra-Euro für den Showkampf berappen. Beide Boxer hatten schon vor dem Duell angekündigt, den Großteil ihrer Gagen für wohltätige Zwecke, für Bildungseinrichtungen, zu spenden.

„Das war viel besser, als um Weltmeisterschaften zu kämpfen“, sagte Iron Mike nach den acht zweiminütigen Runden. „Wir können etwas Gutes für die Welt tun. Wir müssen das noch mal machen.“ Körperlich fühle er sich großartig. „Dieses Event hat mir gezeigt, aus was ich gemacht bin. Ich will noch mehr aus meinem Körper herausholen.“

Das ist wie bei zwei meiner Onkels, wenn sie sich am Barbecue prügeln.

Rapper Snoop Dogg

Was das boxerische Element anging, sorgte Ringgast und Rapper Snoop Dogg mit seiner Analyse für weltweites Gelächter. „Das ist wie bei zwei meiner Onkels, wenn sie sich am Barbecue prügeln. Hey Großmutter! Sie kloppen sich schon wieder“, kommentierte er. In den sozialen Medien wurde der Rapper nach dem Unentschieden im Ring als Sieger gefeiert.

Aber muss man sich so despektierlich äußern? Klar, die Runden waren kürzer, die Handschuhe größer, besser gepolstert als bei üblichen Profikämpfen. Die Regeln untersagten einen Knockout. Aber zeigten die beiden früheren Schwergewichts-Weltmeister nicht zwischendurch bessere Boxtechniken als sie oft bei Kämpfen von Jüngeren zu sehen sind? Tyson wirkte für sein Alter geschmeidig. Das Pendeln hat er nicht verlernt. Er setzte seinen linken Haken, Jones seine berühmten Kombinationen. Und kennt man das Klammern, das die beiden Legenden ausgiebig zeigten, nicht auch aus Profikämpfen, in denen es tatsächlich um Titel und Gürtel geht?

Das Unentschieden lässt den Beteiligten alle Optionen offen. Jones sagte: „Mike ist immer noch ein herausragender Puncher. Er kann nun machen, was immer er möchte.“ Für Tyson steht ein Abstecher nach Monaco im Raum, um sich einem europäischen Gegner zu stellen.