Ante Covic weiß, was da auf ihn zukommt. Herthas neuer Coach geht zwar in seine erste Profisaison als Bundesligatrainer, die Mechanismen des beliebtesten Mannschaftssports der Welt kennt der 43-Jährige aber bereits aus seiner langjährigen Tätigkeit im Nachwuchsbereich. „Bisher musste ich sie nur mitnehmen und auf den Weg bringen und noch keine Entscheidung treffen, mit der ich jemandem wehtue“, erklärt Covic. „Wenn es losgeht, wird es sich zeigen. Es können nur elf spielen.“

Die Zeit des Kennenlernens, in der jeder Spieler sich unter dem neuen Trainer beweisen durfte, scheint nach dem ersten Trainingslager in Neuruppin endgültig vorbei. Mit den U21-EM-Fahrern Eduard Löwen, Maximilian Mittelstädt und Arne Maier, die aufgrund ihres verlängerten Urlaubs erst diese Woche wieder einsteigen, wächst der blau-weiße Kader auf 28 Feldspieler an – und damit, 31 Tage vor dem Auftaktspiel beim FC Bayern, auch der interne Konkurrenzkampf. „Wir werden uns zusammensetzten und etwas redimensionieren“, kündigte Manager Michael Preetz bereits die Planung für das zweite Trainingscamp im österreichischen Stegersbach (26. Juli bis 1. August) an. 22 bis 25 Feldspieler seien „eine Range, mit der man arbeiten kann.“

Gedränge im Mittelfeld

Zwar sind noch einige Spieler dabei, die Hertha möglichst noch vor der Abreise ins Burgenland und damit in dieser Woche verleihen will, damit sie die nächste Entwicklungsstufe nehmen. Dennoch ist abzusehen, dass in Österreich das Gerangel um die Stammplätze im Mittelfeld am größten sein wird. Mit Neu-Herthaner Eduard Löwen, für den Preetz sieben Millionen Euro an Erstliga-Absteiger 1. FC Nürnberg überwies, Liverpool-Leihgabe Marko Grujic, Arne Maier, Ondrej Duda, Belgien-Rückkehrer Sidney Friede, dem wiedererstarkten Vladimir Darida und Routinier Per Skjelbred kämpfen allein sieben Spieler um womöglich nur drei Plätze im Zentrum.

Die Herausforderung im Vergleich zur Juniorenarbeit wird für Covic, mit den Eitelkeiten der vielen Jungmillionäre und einigen Stars umzugehen, sie bei Laune zu halten, wenn Neid und Frust aufkommen. Auch deswegen beschwört der gebürtige Berliner bereits die Wichtigkeit des Kollektivs. „Ich bin der Meinung, dass sich eine Saison nicht auf den Positionen eins bis elf entscheidet, sondern ab Position zwölf.“

Es wird spannend, wie Covic den drohenden Verdruss durch den Überfluss moderiert, damit nicht die üblen Mechanismen der Bundesligabranche greifen.