In der Woche vor dem Spiel des 1. FC Union Berlin gegen den FC St. Pauli (Sonntag, 13.30 Uhr) hielt noch einmal reges Transfertreiben Einzug am Stadion an der Alten Försterei. Mit großer Freude wurden die Offensivzugänge Suleiman Abdullahi (Braunschweig) und Robert Zulj (Hoffenheim) vorgestellt, Geschäftsführer Oliver Ruhnert äußerte sich zufrieden: „Unser Angriffsspiel ist jetzt variabler.“

Die Eisernen betreiben derzeit ein gewagtes Spiel mit dem eigenen Kader. Sechs Tage vor dem Transferschluss platzt dieser praktisch aus allen Nähten. Dreißig Spieler zählt die Trainingsgruppe von Trainer Urs Fischer. Klare Vorstellung, wer die Mannschaft noch verlassen soll, formulierte der Klub bislang bewusst nicht. Geschäftsführer Oliver Ruhnert betonte unter der Woche noch einmal: „Aus dem Verein gedrängt wird bei uns keiner.“

Eine überraschend humane und durchaus positive Geschäftsführung, die den familiären Charakter des Köpenicker Klubs einmal mehr unterstreicht. Trotzdem gibt es auch diese Frage: Riskieren die Eisernen damit womöglich auf lange Sicht, dass die Stimmung im Team aufgrund der Unzufriedenheit Einzelner kippt?

Auf der Innenverteidigerposition hat Union sieben (!) potenzielle Optionen für zwei Plätze. Als linker Außenverteidiger könnten Ken Reichel und Peter Kurzweg, aber auch Rückkehrer Christopher Lenz spielen. Weg will, Stand jetzt, keiner. Zwar betonte Christopher Lenz unter der Woche, dass es im Team, dem engen Konkurrenzkampf zum Trotz, keine Feindseligkeiten gebe. Gleichsam stellte er aber für sich klar: „Ich will auf jeden Fall in der Startelf spielen.“

Faktor Robert Zulj

Im Sturm wirbelte bis zur Wochenmitte noch Sebastian Andersson konkurrenzlos, weil Publikumsliebling Sebastian Polter noch Wochen im Aufbautraining verharrt. Nach den Leihtransfers von Abdullahi und Zulj haben die Eisernen nun zwar kurzfristig mehr Variabilität, langfristig jedoch ein Luxusproblem: Was, wenn alle fit sind? Selbst wenn Union optional auf ein System mit zwei Spitzen umstellen würde, wäre Polter wohl gesetzt, während bei Andersson, Zulj und Abdullahi zwangsläufig ein ambitionierter Stürmer aus dem Kader rutschen würde.

Die Schlüsselpersonalie in diesem Angriffsquartett ist dabei Robert Zulj. Der 26-Jährige überzeugte bei seinem Antritt in Köpenick mit beeindruckendem Selbstbewusstsein. Doch weil auch bei Urs Fischer das Leistungsprinzip die Startelf bestimmt, könnte Zuljs nachdrücklicher Wunsch regelmäßig zu spielen schnell in Unmut umschwenken, sollte sich der Zugang plötzlich auf der Bank wiederfinden.

Dass der Österreicher ohnehin lieber hinter den Spitzen als Spielmacher agiert, verlagert das Problem lediglich. Ähnliche Ambitionen haben auf dieser Position schließlich auch Marcel Hartel sowie die Eigengewächse Errol Zejnullahu und Berkan Taz. Ist deren Zeit im Union-Trikot schon vorbei, ehe sie überhaupt richtig begonnen hat?

Überraschend gelassen bleibt bei all dem Trainer Urs Fischer. „Spieler werden immer unzufrieden sein, wenn sie nicht spielen, egal ob der Kader 26 oder 30 Spieler hat“, erklärte er am Freitag. „Es ist unsere Herausforderung als Trainerteam, Spielern, die nicht spielen zu erklären, warum das so ist.“ Eine große Verantwortung, die dem Verein schon in der Hinrunde noch auf die Füße fallen könnte.