Dedryck Boyata, 29, überzeugt in seinem ersten Jahr, stabilisierte Herthas in der Vorrunde so anfällige Abwehr. 
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BerlinDedryck Boyata hatte da so eine Vorahnung. „Ich kann dem Team helfen“, sagte der Innenverteidiger nur drei Tage nach seiner Ankunft im Vorjahr, ohne eine Sekunde mit der Mannschaft trainiert zu haben. Keine zwölf Monate später lässt sich festhalten: Boyata hat Wort gehalten. Der 17-fache belgische Nationalspieler ist in einer turbulenten Hertha-Spielzeit einer der wenigen Konstanten und gegen Ende der Saison unter Trainer Bruno Labbadia unumstrittener Abwehrchef. „Ich kann mit solchen Begriffen wenig anfangen“, sagt der 29-Jährige - und lobt lieber das Berliner Kollektiv: „Das ganze Team hat in der Corona-Pause unter dem neuen Trainer sehr hart gearbeitet.“

Das war auch nötig. Vor wenigen Wochen befand sich Hertha noch im Abstiegskampf. Vor allem, weil die Defensive nicht sattelfest war. Boyata spielte zwar nicht fehlerfrei, wackelte aber von allen Innenverteidigern am wenigsten. Seit dem Re-Start und zehn  Punkten aus fünf Spielen sind derartige Sorgen passé. Boyata hat zusammen mit Jordan Torunarigha, 22, die Abwehr im Griff, ließ nur drei Gegentore zu.

Dabei profitiert Hertha vor allem von seiner Erfahrung, die ein Hauptgrund war, warum Manager Michael Preetz ihn im vergangenen Sommer von Celtic Glasgow an die Spree lotste – ablösefrei. „Ihn bringt nichts aus der Ruhe“, lobt Preetz. Dazu kommen Boyatas robuste Zweikampfführung und seine Übersicht im Spielaufbau, die er unter Bedrängnis nur selten verliert. Außerdem verfügt er als 1,88 Meter große Kante über ein gutes Kopfballspiel, das Hertha defensiv bei Standards hilft und in der Offensive für wichtige Tore sorgt. Mit vier Kopfballtreffern gehört Boyata zu den torgefährlichsten Verteidigern der Liga. Zuletzt traf er zum 4:0-Endstand im Berliner Derby gegen den 1. FC Union – ein emotionaler Höhepunkt, nachdem er im Hinspiel an der Alten Försterei noch den Elfmeter zum entscheidenden 0:1 verschuldet hatte.

„Der Trainer hat uns von erstem Tag an gezeigt, welchen Fußball er spielen will. Er legt viel Wert auf die Taktik und Fitness“, erklärt der WM-Fahrer von 2018 und lobt: „Labbadias Übungen und Arbeitsweise erinnern mich sehr an Roberto Mancini, unter dem ich bei Manchester City gespielt habe. Ich wünschte, wir hätten die ganze Saison über so hart gearbeitet. Man merkt dem Trainer seine Erfahrung an.“

Trotz der starken Leistungen fordert Labbadia von Boyata, dass er seine Kollegen auf dem Feld noch mehr coacht. „Ich probiere jeden Tag viel zu sprechen“, erklärt er. Helfen soll dabei auch die Sprache. „Mein Deutsch wird immer besser. Unter Labbadia muss es das auch, alle Anweisungen sind auf Deutsch“, sagt Boyata auf Englisch und verspricht: „Das nächste Interview führe ich auf Deutsch.“