Alberto Salazar ist für vier Jahre gesperrt worden. Die Antidoping-Agentur der USA (Usada) bezichtigt den Leichtathletik-Coach des Dopings von Athleten aus seiner Trainingsgruppe namens "Nike Oregon Project" (NOP). Zum NOP gehört auch die deutsche Mittelstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen, 22, die an diesem Mittwoch bei der Weltmeisterschaft in Doha an den Start geht.

Kritik an Alberto Salazar

Das Urteil der Usada stützt sich auf Untersuchungen, die über einen Zeitraum von vier Jahren vorgenommen worden sind. Der Agentur zufolge gilt es nun als „nahezu sicher“, dass Salazar Athleten auf "beinahe gefährliche Weise“ präparierte.

Nun neigt der Mensch von Natur aus zur Vergesslichkeit, insbesondere Sportfans und Sportler, wenn es um unappetitliche Details geht. Das Internet allerdings vergisst nichts. Auf Twitter hat vor geraumer Zeit der Leichtathletik-Trainer Vern Gambetta den Kollegen Alberto Salazar einen „teuflischen Irren“ genannt und als ehemaliges Mitglied des NOP gemutmaßt, es handele sich um eine Frage der Zeit, bis der erste von dem US-Coach in Form gebrachte Athlet tot umfalle.

Das war im Februar 2017. Ende November 2018 ist bekannt geworden, dass Konstanze Klosterhalfen im Umfeld des NOP trainiert. Schließlich schloss sich die gebürtige Bonnerin ganz der Gruppe an. Das wiederum war im vergangenen April. Anfang August hat die Athletin den deutschen Rekord über 5 000 Meter um mehr als 15 Sekunden unterboten. Er stammte aus dem Jahr 1999 von Irina Mikitenko. Deren nationale Bestmarke über 3 000 Meter hatte Konstanze Klosterhalfen bereits gut einen Monat zuvor um mehr als zehn Sekunden hinter sich gelassen.

Aus diesen Fakten einen Zusammenhang zu konstruieren, ist unzulässig. Ebenso wäre es unzulässig zu vermuten, Salazars mutmaßliche Praktiken könnten in der Trainingsgruppe systematisch zur Anwendung kommen. Etwa die Verabreichung einer Substanz namens L-Carnitin, die den Energiestoffwechsel beschleunigt. Sie steht zwar nicht auf der Liste verbotener Mittel, doch die Usada verfügt offenbar über Dokumente, die nahelegen, dass Salazar Athleten L-Carnitin innerhalb von Tagen statt wie vorgegeben Monaten und in doppelter Dosis verabreicht hat.

„Nahezu sicher“ sei sie in ihrem Urteil, teilt die Usada also mit. Das gleichzusetzen mit „hundertprozentig sicher“, ist  ebenfalls unzulässig. Allerdings besteht kein Grund zur   Vergesslichkeit, zumal in einer Sportart wie der Leichtathletik, die anfällig ist für den Betrug am Konkurrenten und am Konsumenten mittels Doping, was Urteile aus der Vergangenheit immer wieder belegen. Jeder Rekord ist daher mit Skepsis zu betrachten, zumal dann, wenn bisherige Bestmarken pulverisiert werden. Jeder Wunderlauf ist kritisch zu hinterfragen.

Konstanze Klosterhalfen erbringt ihre Leistungen auf redliche Art. Das ist bis zum Beweis des Gegenteils der Stand der Dinge. Stand der Dinge ist auch, dass sie Zweifel begleiten bei der Weltmeisterschaft von Doha. Nicht aus heiterem Himmel und nicht ohne Grund.