Berlin - Der Wahlkampf hat begonnen. Mit seinem Olympia-Plan prescht Thomas Weikert als erster Kandidat für die DOSB-Präsidentschaft vor. Deutschland soll 100 Jahre nach den Nazi-Spielen von Berlin wieder Olympische Spiele ausrichten. „Wir müssen uns so schnell wie möglich bewerben, und zwar auch für 2036“, sagte Weikert im Interview mit sportschau.de. Sein Mitbewerber Stephan Mayer zeigte sich jedoch „sehr skeptisch“.

Tischtennis-Weltverbandschef Weikert, der wie CSU-Politiker Mayer und Fecht-Präsidentin Claudia Bokel am 4. Dezember auf der Mitgliederversammlung in Weimar gewählt werden möchte, ist sich des historisch schwierigen Datums sehr bewusst. Für ihn überwiegen nach den zahlreichen, gescheiterten Olympia-Bewerbungen aber die Vorteile. „Das Bild der Deutschen muss man gut darstellen und genau daran arbeiten, dass wir uns gut darstellen im Ausland“, sagte Weikert.

Am Sonntag in Düsseldorf, wenn sich das Kandidaten-Trio den Mitgliedsorganisationen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vorstellt, wird das Thema möglicherweise wieder aufkommen. Olympische Spiele könnten als Leuchtturmprojekt für den hierzulande kriselnden Sport dienen. Die Spiele in München 1972, als Olympia letztmals auf deutschem Boden stattfand, sind dann schon 64 Jahre her.

Im April hatte sich auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) wohlwollend über eine mögliche Gemeinschaftsbewerbung von Berlin und Tel Aviv für die Spiele in 15 Jahren geäußert. Davon hält Mayer, zuletzt Staatssekretär im Bundesinnenministerium, wenig. „Grundsätzlich bin ich ein großer Befürworter einer erneuten Olympia-Bewerbung. Aber man muss es sehr klug und vernünftig angehen“, sagte Mayer am Mittwoch: „2036 sehe ich aus ganz spezifischen Gründen sehr skeptisch.“

Das geschichtliche Erbe der Nazi-Spiele in der Hauptstadt stünde einer erfolgreichen Bewerbung laut Mayer im Weg: „Das hätte auf den ersten Blick Charme. Es reicht jedoch nicht, wenn ein DOSB-Präsidium hinter einer solchen Bewerbung steht, man muss auch die Bevölkerung mitnehmen“, so der 47-Jährige. Seine Befürchtung sei, dass kategorische Olympia-Gegner „das Jahr 2036 dazu gebrauchen würden, um gegen eine deutsche Bewerbung zu agitieren“.

Auf Berlin als Austragungsort ist Weikert derweil nicht unbedingt festgelegt. Er erwähnte, dass „vielleicht auch noch andere Städte“ infrage kämen. Mayer, dessen Skepsis hinsichtlich des Datums auch der scheidende DOSB-Präsident Alfons Hörmann teilt, hat mit seiner Argumentation derweil nicht unrecht. Die Bewerbungen um die Sommerspiele 2024 in Hamburg und Winterspiele 2022 in München sind je an einem Bürgerreferendum gescheitert. Zunächst aber braucht der deutsche Sport erst einmal einen neuen DOSB-Präsidenten. Oder eine DOSB-Präsidentin.