Berlin - Die Fans des 1. FC Union, die in der vergangenen Woche zum temporären Stimmungsboykott gegen RB Leipzig aufgerufen haben, dürften nicht damit gerechnet haben, welche hohe Wellen das Thema inzwischen schlägt.

Für gewöhnlich herrscht in der eisernen Fanszene allgemeiner Konsens über den Umgang mit „dem Produkt“, wie der 2009 gegründete Klub aus Sachsen in Köpenick genannt wird. Jegliche Form von Protest war daher in der Vergangenheit für die große Mehrheit derer, die es mit Union und damit mit dem fußballkulturellen Gegenentwurf zu den Leipzigern halten, völlig in Ordnung. Doch dass die Ultragruppe „Wuhlesyndikat“ ausgerechnet beim ersten Bundesliga-Spiel in der Geschichte des Klubs für die ersten 15 Minuten zum Schweigen aufruft, sorgt nun sogar bei den Spielern für Unmut.

So äußerte sich der selten um klare Worte verlegene Aufstiegskeeper und Publikumsliebling Rafal Gikiewicz auf seinem Instagram-Kanal: „Euer geplanter Boykott in den ersten 15 Minuten ist nicht gut für uns Spieler. Ihr könnt gerne eine Choreo oder sonst etwas machen.“ Und weiter: „Es interessiert mich nicht, wer unser Gegner ist! Ich will einfach nur mit eurer Hilfe gewinnen. Ihr könnt alles machen, aber ein Boykott wird uns nicht helfen.“

Trimmels Befürchtung

Ein Union-Fan kommentierte dazu in einem Online-Forum: „Wer in Halberstadt nach dem Spiel mit den Spielern gesprochen hat, weiß, was sie darüber denken. Respekt, dass unsere Nummer eins zuerst den Mut hatte, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Und tatsächlich: So mancher eiserne Kicker zeigte sich nach dem 6:0 im Harz alles andere als begeistert über die Aussicht, zur Bundesliga-Premiere 15 Minuten in einem Stadion zu spielen, in dem nur die Gästefans singen.

Christopher Lenz erklärte: „Wir wissen, dass das so ein Fan-Ding ist. Aber eigentlich wären wir schon dafür, dass uns unsere Fans lieber anfeuern.“ Und Kapitän Christopher Trimmel ergänzte: „Mir persönlich ist der Gegner egal. Deshalb ist es aus Spielersicht schon sehr ungewohnt, eine Viertelstunde lang ohne Stimmung von unseren Fans zu spielen.“ So deutet alles darauf hin, dass das Thema noch längst nicht erledigt ist.