Oliver Ruhnert (r.) und Max Kruse ziehen an einem Trikot.
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BerlinGroßes erwartet man beim 1. FC Union von Max Kruse, vom ehemaligen Nationalspieler, der am Freitag im Stadion an der Alten Försterei offiziell vorgestellt wurde. Vor allen Dingen natürlich in sportlicher Hinsicht, wobei man jetzt schon ziemlich sicher sein darf, dass der 32-Jährige mit seiner Spielweise und seinen Qualitäten die Statik der Fischer-Elf deutlich verändern wird. Und damit auch in gewisser Weise die Frage beeinflusst, ob die Eisernen künftig womöglich sogar auf die Dienste von Sebastian Andersson verzichten können.

Dabei ist Kruse natürlich kein Eins-zu-eins-Ersatz für den schwedischen Nationalspieler, der in der Vorsaison mit seinen zwölf Toren erheblich zum Klassenerhalt der Köpenicker beigetragen hat. Kruse agiert nicht in vorderster Front, eher hinter den Spitzen als Neuneinhalber und glänzt mit Übersicht und Vorarbeiten mehr als als eiskalter Vollstrecker. Er soll das Spiel der Eisernen auf ein höheres technisches Level heben und scheint der perfekte Baustein dafür zu sein, Anthony Ujah und Cedric Teuchert mit Bällen zu füttern. 

Mit anderen Worten, an der Wuhle glaubt man, gerüstet zu sein für den Fall, dass Andersson doch noch dem Lockruf des Geldes erliegen sollte. Dieser Tage läuft seine Option aus, nach der er für fünf Millionen Euro den Klub verlassen kann. Was nicht heißt, dass Union den Blondschopf gerne ziehen lassen möchte. „Wenn er seine Option nicht zieht, gehen wir davon aus, auch mit Sebastian Andersson zu planen“, hatte Manager Oliver Ruhnert jüngst durchblicken lassen, dass er den 29-Jährigen nicht zwingend ins Schaufenster stellen wird.

Indiz dafür ist, dass er die Nummer 9 von Sebastian Polter geerbt hat. Bei Stürmern eine begehrte Ziffer. Zudem weiß man natürlich, dass man mit ihm variabel zwei Sturmmodelle praktizieren könnte. Das auf verbissene Vorwärtsverteidigung mit zweiten Bällen ausgerichtete, nicht unerfolgreiche Spiel des Vorjahres. Und eben künftig ein System, in dem die spielerische Komponente mehr zur Geltung kommt. 

Dafür steht eben Kruse, der künftig Anderssons 10 tragen wird. Der beherrscht das Spiel mit den Medien ebenso geschickt wie den Kick mit der Kugel. Bei seiner Vorstellung in Köpenick erschien er – begleitet von einem eigenen Social-Media-Team – sehr zeitig auf einem Motorrad in der Alten Försterei, besuchte erst einmal das dortige Zeughaus, das seit einigen Tagen wieder geöffnet ist, und plauschte ausgiebig mit Ujah. „Grundsätzlich brauche ich für meine Entscheidungen immer ein gutes Bauchgefühl. Union war der erste Verein, mit dem ich gesprochen hatte. Ich hatte gleich das Gefühl, dass ich hier fußballerisch eine große Rolle spielen kann und wir beide voneinander profitieren können. Das hatte für mich Priorität“, so Kruse.