Barcelona - „Galaktisch“ betitelte die französische Sportzeitung L’Equipe den 4:1-Erfolg von Paris Saint-Germain gegen den FC Barcelona im Champions-League-Achtelfinalhinspiel mit nur einem Wort. Und meinte damit sicher die gesamte Teamleistung der Franzosen, im speziellen aber die von Kylian Mbappé, der mit einem Hattrick in seinem 41. Einsatz in der Königsklasse des Fußballs so etwas wie eine Götterdämmerung einleitete. Wahlweise auch einen „Exorzismus“, wie der Spiegel titelte.

Doch egal wie man die Leistung des 22-Jährigen auch bezeichnen mochte, sie hob sich in jeglicher Hinsicht von der des elf Jahre älteren Lionel Messi ab, der, abgesehen von einem verwandelten Elfmeter zum einzigen Treffer der Katalanen, eine schwache Leistung ablieferte. Messi, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, scheint sich auch sportlich immer mehr von seiner großen Liebe Barcelona zu verabschieden, schon in der vergangenen Saison war der vielleicht beste Fußballer der Geschichte in einzelnen Partien immer wieder abgetaucht und strahlt so längst nicht mehr die Dominanz aus, die ihn vor Jahren noch auszeichnete.

Mbappé strahlt ohne Neymar und di Maria

Ganz anders Mbappé, dessen Glanzleistung aufgrund der Tatsache, dass den Parisern neben Angel di Maria auch der brasilianische Starspieler Neymar fehlte, noch mehr im Fokus stand. Nach dem Sieg schickte der Franzose dabei überraschende Liebesgrüße an seinen deutschen Ex-Trainer Thomas Tuchel: „Das ist eine Frage von Kontinuität“, sagte der französische Fußball-Weltmeister. „Der Trainer (Mauricio Pochettino) hat einen großartigen Job gemacht, seit er dazugekommen ist. Aber er hat die Arbeit von Tuchel fortgesetzt, der einen außergewöhnlichen Job angefangen hat mit dem Finale“, sagte Mbappé. Unter Tuchel, der im Dezember beurlaubt wurde und inzwischen für den FC Chelsea arbeitet, war Paris in der vergangenen Champions-League-Saison bis ins Finale gegen den FC Bayern gekommen.

Mbappé zeigte sich am Dienstagabend auch unbeeindruckt von Kritik, die zuletzt gelegentlich an ihm geäußert wurde. „Man muss diese Kritik nicht persönlich nehmen, das habe ich auch nie gemacht. Jeder Spieler in der Geschichte des Fußballs wurde kritisiert, auch Diego Maradona. So wird es auch Kylian Mbappé gehen. Ich gehe damit ganz gelassen um“, sagte er. Die Gelassenheit war ihm bei seinen drei Treffern sichtlich anzumerken, beim 2:1 etwa nutzte er einen Fehler des spanischen Weltklasseverteidigers Gerard Pique eiskalt aus und staubte ab.

Seine Machtdemonstration in Barcelona läutete damit möglicherweise eine neue Ära ein. Der junge Franzose ist auf dem besten Weg, Messi als besten Spieler des Planeten abzulösen, ist schon jetzt der aufregendste Profi seiner Generation. Was die Tatsache nicht weniger kurios macht, dass ausgerechnet Altmeister Messi Mbappé im Sommer bei Paris Saint-Germain beerben könnte. Während die Franzosen, neben Inter Mailand und Manchester City, als heißer Kandidat gelten, den Argentinier ablösefrei zu sich zu lotsen, ist Mbappé, dessen Vertrag 2022 ausläuft, seit Monaten immer wieder beim strauchelnden englischen Meister FC Liverpool und dessen Trainer Jürgen Klopp im Gespräch. Ein Wechsel, den sich die Pariser wahrlich noch einmal überlegen sollten.