LA Kings um Luc Robitaille übernehmen Führungsrolle bei den Eisbären Berlin

Im Presseraum der Arena am Ostbahnhof musste der Eisbär etwas Platz machen. Normalerweise steht der kleine Raum ganz im Zeichen des Berliner Eishockeywappentieres. Am Montag aber war der Eisbär nur ein Nebendarsteller. Die Krone, das Symbol der Los Angeles Kings, stach deutlich heraus. Sie steht auch für die zukünftige Hierarchie beim siebenmaligen DEL-Meister.

Peter John Lee bleibt zwar Geschäftsführer und Stefan Ustorf als Sportlicher Leiter sein engster Vertrauter. Das letzte Wort im Tagesgeschäft, sowohl wirtschaftlich als auch sportlich, fällt aber ab sofort in Kalifornien. Luc Robitaille, Geschäftsführer und stellvertretender Präsident der Los Angeles Kings, ist jetzt Aufsichtsratsvorsitzender der Eisbären.

„Die Ergebnisse der vergangenen Jahre in Berlin waren nicht auf dem Meisterschaftsniveau, das wir erwarten“, sagte Robitaille. „Wir haben realisiert, dass wir unseren bisherigen Austausch zu einer intensiven Zusammenarbeit erweitern und wir hierfür beide Vereine strukturell direkt miteinander verknüpfen müssen.“ In Wahlkampfzeiten hätte der Kanadier wahrscheinlich gesagt: „Let’s make Eisbären great again.“

Im Niemandsland der Tabelle

Das alles ist natürlich vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Eisbären-Besitzer Anschutz Entertainment Group (AEG) das Gelände zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße derzeit in einen Geschäfts- und Unterhaltungsbezirk verwandelt. Dazu passt kein Eishockeyverein, der sich im Niemandsland der Tabelle bewegt und zuletzt weniger Zuschauer angelockt hat.

Damit die Eisbären wieder groß werden können, müssen sich die Verantwortungsträger etwas kleiner machen. Nicht nur Lee, der ungewohnt am Rand und nicht in der Mitte einer Pressekonferenz saß. Ustorf soll eng mit Kelly Cheeseman zusammenarbeiten, der ebenfalls einen Platz im Aufsichtsrat erhält und als oberster Berater Robitailles gilt. Es ist davon auszugehen, dass Spieler zukünftig nur noch nach Berlin kommen werden, wenn in Los Angeles das entsprechende Einverständnis gegeben wurde.

Seitdem die AEG, der beide Vereine gehören, im vergangenen Jahr die Überweisungen an die Hamburg Freezers eingestellt und somit deren Aus besiegelt hat, herrscht bei manchem Fan die Angst, dass in Berlin Ähnliches passieren könnte. Alle Beteiligten waren deshalb sehr bemüht, alleine die Vorzüge dieser neuartigen Kooperation hervorzuheben. Noch nie war ein Klub aus den USA und aus Deutschland derart eng miteinander vernetzt. „Ein großer Tag für uns“, sagte Lee.

"Beste Eishockey-Organisation in Europa“

Dass die Berliner in den vergangenen zwei Jahren einige Nachwuchsspieler zum Ausbildungscamp zu den Los Angeles Kings schicken durften, die 2012 und 2014 den Stanley Cup gewannen, war nur der Anfang. „Die Eisbären sollen auf alle unsere Ressourcen zurückgreifen können“, sagte Cheeseman. Angefangen beim Scouting, über die Philosophie der Nahwuchsausbildung bis hin zur medizinischen Betreuung. Die eher lockere Beratung, die das Verhältnis bislang prägte, brachte nicht den erhofften Erfolg. Robitailles Anspruch: „Wir wollen hier die beste Eishockey-Organisation in Europa.“

Gerade beim Personal dürfte es nach dieser Saison erhebliche Veränderungen geben. Der Kader muss nicht nur breiter, sondern qualitativ auch wieder besser werden. „Die Liga hat sich in den letzten Jahren sehr verändert“, sagte Lee. Die Konkurrenz hat aufgerüstet und Berlin längst überholt, was das Spielerbudget angeht. Das zeigt sich an der aktuellen Tabelle.
Von einer finanziellen „Annäherung an die Ligaspitze“ war in der letzten Hallenpostille zu lesen.

Damit sind der EHC München, die Nürnberg Ice Tigers, die Adler Mannheim und die Kölner Haie gemeint. Wie viel mehr Geld dem Management zukünftig zur Verfügung stehen wird, um den Kader wieder meistertauglich zu machen, blieb völlig unklar. „Wir wollen Pete die Spieler ermöglichen, die er braucht“, sagte Robitaille. Der sofort klarstellte: „Das bleibt seine Mannschaft und wird nicht unsere.“

Breites Netz an Scouts

Verschiedene Optionen sind vorstellbar für kommende Transfers: Nachwuchsspieler, die Los Angeles im Visier hat, könnten beispielsweise Erfahrung in der DEL sammeln, um zu beweisen, dass sie aus der Masse herausstechen. Was eine Voraussetzung ist, um irgendwann eine große Rolle zu spielen. Wer in der AHL gelandet ist, könnte sich zudem empfehlen für ein Engagement in der NHL. „Wer in der Organisation bleibt, tut sich vielleicht leichter mit einem Wechsel hierher“, sagte Lee. Vor allem verfügen die Kings über ein breites Netz an Scouts, die wertvolle Hinweise nach Berlin liefern können.

Konkret ist bislang nur das Ziel, wohin das alles führen soll. Robitaille sagte: „Wir sind eine Organisation, die für Meisterschaften steht.“ Sowohl in Los Angeles (2014) als auch in Berlin (2013) kann man sich an das letzte Mal nur noch schwer erinnern. Unter der Regentschaft der Krone soll sich das vor allem in Berlin schnell ändern.