Bruno Labbadia hatte erst am Freitag wieder alle Hertha-Profis beim Abschlusstraining zusammen. 13 Spieler waren mit ihren Nationalteams unterwegs.
imago images/Popow

Berlin-WestendHerthas Fans erinnern sich mit Grauen an diesen 11. Februar 2012. Die Blau-Weißen erlebten in der Abstiegssaison 2011/12 mit ihrem Ultra-Kurzzeit-Trainer Michael Skibbe beim VfB Stuttgart ein 0:5-Debakel. Skibbe wurde danach nach nur fünf Spielen gefeuert. Sein Kollege auf der anderen Trainerbank hatte konsequent alle Schwächen der Krisen-Mannschaft von der Spree aufgedeckt. Bruno Labbadia hatte es getan. Für ihn war es mit dem VfB der letzte Sieg gegen Hertha, sein zweithöchster Erfolg nach dem 8:1 mit Wolfsburg gegen Augsburg vor 18 Monaten in der Bundesliga und es war sein 42. Drei-Punkte-Gewinn als Trainer im Oberhaus.

In den vergangenen sieben Jahren und neun Monaten sind 57 weitere Bundesliga-Siege dazu gekommen – mit dem HSV, mit dem VfL Wolfsburg und jetzt mit dem Hauptstadtklub. Fast unbemerkt in den Wirren der Corona-Zeit steht Labbadia Sonnabend um 15.30 Uhr gegen seinen ehemaligen Klub Stuttgart vor einem ganz besonderen Jubiläum. Es könnte sein 100. Bundesligasieg als Trainer werden. Als ehemaliger Stürmer errang er 126. Labbadia ist damit dem exquisiten „Klub der doppelten Hunderter“ ganz nah. Denn über diese magische Erfolgsmarke, schafften es bisher nur sechs Größen des deutschen Fußballs: Darunter Herthas ehemaliger Erfolgscoach Jürgen Röber mit 105 Siegen als Trainer und 103 als Spieler, Winfried Schäfer (130/170), Ex-Hertha-Trainer Friedhelm Funkel (134/118), Felix Magath (231, 160), Thomas Schaaf (235/141) und Jupp Heynckes (343/174).

Trainer-Gentleman Labbadia spielt diese Tatsache genauso runter wie den Fakt, dass er gegen einen seiner Ex-Klubs spielt: „Für mich ist das Spiel eine ganz normale Bundesliga-Partie. Ich hatte in Stuttgart eine erfolgreiche Zeit. Erst haben wir 2011 den Klassenerhalt geschafft, ein Jahr später waren wir in der Europa League.“

Die Blau-Weißen hat der 54-Jährige in diesem Jahr vor dem Abstieg bewahrt. Ob er die Träume der Fans und die Wünsche des Investors Lars Windhorst und seines Beraters Jens Lehmann vom internationalen Geschäft auch so schnell bei Hertha erfüllen kann, weiß keiner. Denn überall schwebt der Corona-Geist in der Bundesliga. Manager Michael Preetz fasst die Lage realistisch  zusammen: „Wir alle befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation. Da gibt es dringendere Fragen zu klären, als den Ausgang der Saison. Zumal wir erst drei Spieltage absolviert haben.“

Davon gingen gegen Frankfurt (1:3) und in München (3:4) zwei Partien verloren. Dazu musste Hertha BSC in der Länderspielpause 13 Nationalspieler auf Reisen schicken. Einer kam mit einer Corona-Infektion zurück. Donnerstag wurde bekannt, dass sich der französische Neuzugang Mattéo Guendouzi (21) bei seinem Trip mit der französischen U21-Nationalmannschaft mit Corona infiziert hat. Die bange Frage am Freitag war, ob sich noch ein blau-weißer Profi mit dem Virus auf Länderspielreisen angesteckt hat. Das Aufatmen war am frühen Nachmittag groß. Die Tests der zurückgekehrten Nationalspieler wie Matheus Cunha (Brasilien), Jhon Cordoba (Kolumbien), Omar Alderete (Paraguay), Vladimir Darida (Tschechien), Peter Pekarik (Slowakei), Dodi Lukebakio, Dedryck Boyata (beide Belgien) und Rune Jarstein (Norwegen) waren alle negativ.

Für Labbadia war es eine Qual, so lange auf die Ergebnisse der Abstriche zu warten. Erst danach konnte er mit den  zurückgekehrten Spielern das Abschlusstraining mitmachen.

Labbadia hatte schon vorher angekündigt: „Erst da kann ich sehen, wie die Spieler den Reisestress weggesteckt haben. Die Spielvorbereitung ist alles andere als optimal. Wir müssen das Beste daraus machen.“

Gerade wegen der langen Flüge der Südamerikaner im Team machte er sich sorgen. „Der eine steckt den Jetlag besser weg als der andere“, erklärte der Coach. Schwierige Tage für die Blau-Weißen. Dazu kommt ein Gegner ins Olympiastadion, der unbeschwert aufspielen kann. Labbadia warnte:  „Der VfB hat den Schwung aus dem Aufstiegsjahr mitgenommen. Sie haben eine gute Mischung zwischen jungen und erfahrenen Spielern. Es wird ein hartes Stück Arbeit, was auf uns zukommt.“ Im Februar 2012 hatte Labbadias Team auf alle Fälle weniger Mühe.