Am 2. Februar 2019 unterhalten sich Pal Dardai (l.) und Bruno Labbadia vor dem Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem VfL Wolfsburg.
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BerlinEs ist bekannt, dass sich die beiden Trainer Pal Dardai, 44, und Bruno Labbadia, 54, sehr schätzen und gut verstehen. Nach Duellen ihrer Mannschaften gegeneinander verliefen die anschließenden Pressekonferenzen in der Vergangenheit meist amüsant und beide sparten nicht mit gegenseitigem Lob. Nun hat Labbadia, der ehemalige Mittelstürmer, Pal Dardai, den ehemaligen defensiven Mittelfeldmann, bei Hertha beerbt. Spät, aber wohl nicht zu spät.

Am Donnerstag, 16. April, war es genau ein Jahr her, dass Hertha BSC die Trennung vom Cheftrainer Dardai zum Saisonende 2018/19 bekannt gab. Viereinhalb Jahre hatte der Ungar die Verantwortung getragen und die Plätze 15, 7, 6, 10 und 11 mit der Mannschaft belegt. Nie war das Team unter seiner Regie in Abstiegsgefahr geraten. Starke Auftritte wechselten sich dabei häufig mit mäßigen Leistungen ab. Am Ende schien Herthas Rekordspieler mit 286 Einsätzen müde und ausgelaugt zu sein. Er hatte das Team stabilisiert, aber nicht genügend weiterentwickelt, wie Manager Michael Preetz monierte. Der forderte vor allem einen attraktiveren, offensiveren und erfolgreicheren Fußball ein. Dafür sollte ein neuer Mann her.

Bruno Labbadia erinnert an Pal Dardai

Der Plan, das muss nach einem Jahr konstatiert werden, ging schief. Der Manager entschied sich zuerst für eine interne Lösung, indem er U23-Coach Ante Covic zum Chef beförderte. Der aber war schnell überfordert und in Jürgen Klinsmann kam die „große Lösung“ aus Kalifornien daher, die dem Verein unglaublich viel Aufmerksamkeit einbrachte, aber keinen wirklichen sportlichen Fortschritt. Nach dessen Flucht aus Berlin konnte die „Notlösung“ mit dem ehemaligen Klinsmann-Assistenten Alexander Nouri auch keine Entspannung bringen und Hertha verharrt weiter in unteren Tabellenregionen – noch nicht frei von Abstiegsnöten. Die Kompaktheit, die das Team unter Dardai stets auszeichnete, konnten alle drei Nachfolger nicht erreichen.

Jetzt folgte mit der Inthronisierung von Bruno Labbadia eine „seriöse und vernünftige Lösung“ auf der Position des Cheftrainers. Labbadia erinnert mit seiner pragmatischen und akribischen Arbeitsweise ein wenig auch an Dardai.

Vier Cheftrainer in einer Spielzeit zu verpflichten, brachte Hertha schon zweimal fertig. Zweimal endete das Unterfangen mit dem Abstieg. 1990/91 durften sich Werner Fuchs, Pal Csernai, Peter Neururer und Karsten Heine als Chefs versuchen, 2011/12 hießen die Namen Markus Babbel, Michael Skibbe, René Tretschok und Otto Rehhagel.

Eine gute Kombination

Als Pal Dardai der Trainer war, gab es den Investor Lars Windhorst bei Hertha noch nicht. Mit dessen Geld gab Hertha allein in der Winterpause 2019/20 sagenhafte 77 Millionen Euro an Ablösesummen für neue Profis aus. In den viereinhalb Jahren unter der Ägide von Dardai waren es insgesamt lediglich 44 Millionen Euro. Bleibt die Frage: Was hätte Dardai mit den Windhorst-Geldern angefangen?

Dardai wird ab dem 1. Juli wieder als Nachwuchstrainer bei Hertha arbeiten und das Wirken von Bruno Labbadia hautnah verfolgen und auch unterstützen können. Das verspricht durchaus eine gute Kombination.