Berlin - Am 26. Januar 2020 um 9.45 Uhr stürzte nördlich von Los Angeles ein Hubschrauber ab. Gerüchte wurden rasch zur traurigen Gewissheit: Neun Menschen waren tot, darunter Basketball-Superstar Kobe Bryant. „Es gibt viel, das stirbt auf dieser Welt. Aber Legenden sterben nie. Und er ist exakt das“, sagt LeBron James ein Jahr nach dem Unglück über den Mann, der vom Vorbild zum Freund wurde und dessen Vermächtnis er nun versucht fortzuführen. Mit kleinen Gesten wie Bryants Nummer 24 auf dem Finger und Titeln wie der Meisterschaft in der vergangenen Saison. Es war der erste Titel in der weltbesten Basketballliga der Welt für die Lakers, seit dem fünften und letzten mit Bryant zehn Jahre zuvor.

Bryant hat eine Bedeutung, die weit über die Anhänger der Lakers oder Basketball-Fans hinaus geht. Selbst Menschen, die sich mit Sport nur am Rande beschäftigen, können mit seinem Namen etwas anfangen. Weltweit. Er zählt zu den wenigen Personen auf diesem Planeten, deren Vorname ausreicht: Kobe. Jeder weiß, wer gemeint ist. Sein Tod im Alter von nur 41 Jahren hat Millionen berührt. Noch immer. Rapper, Schauspieler, Handwerker, andere Sportler: Bryant hat sehr vielen Menschen sehr viel bedeutet. Dirk Nowitzki ebenso wie Snoop Dogg. Lakers-Profi Marc Gasol, dessen Bruder Pau einst mit Bryant in Los Angeles spielte, kann noch immer nicht öffentlich über das Unglück sprechen. „Es ist zu emotional“, sagt der Spanier. „Er ist jemand, zu dem wir aufgeschaut haben.“ Nächste Frage bitte.

Warum der Hubschrauber an jenem Sonntagmorgen abstürzte und die Insassen nie bei dem Nachwuchs-Basketball-Turnier ankamen, ist noch immer nicht abschließend aufgeklärt. Bryant nutzte das Verkehrsmittel häufig, um dem notorischen Stau in der Metropole zu entgehen. Aber nie zusammen mit seiner Ehefrau.

Am 9. Februar gibt es eine weitere Anhörung der US-Behörde für Transportsicherheit. In einem vorläufigen Bericht wurden technische Probleme an dem Sikorsky S-76B bereits ausgeschlossen. Die Los Angeles Times berichtete zuletzt, dass alle Informationen die Theorie stützten, dass der Pilot in den Wolken des hügeligen Gebiets nördlich von Los Angeles die Orientierung verloren hat. Statt, wie Fluglotsen gegenüber angekündigt, aufzusteigen, sei der Hubschrauber gesunken.

Seither versucht seine Stadt mit dem Verlust umzugehen. Die in Corona-Zeiten weniger gewordenen Straßenhändler haben Bryants Trikots noch immer wie selbstverständlich im Angebot. Verteilt über viele Gegenden der Millionen-Metropole haben Straßenkünstler Porträts der Legende hinterlassen, an Häuserfassaden, Mauern, Garagentoren. Oft überlebensgroß und oft mit seiner Tochter Gianna, genannt Gigi, die im Alter von 13 Jahren ebenfalls unter den insgesamt neun Toten des Unglücks war. Mit seiner Frau Vanessa hatte Bryant vier Töchter.

Die Auszeichnung für den wertvollsten Spieler des Allstar-Games hat die NBA inzwischen nach Bryant benannt. 15 Mal war er in eines der Teams für den Show-Kampf der besten Profis gewählt worden, so oft wie niemand sonst. Fünf Mal holte er in 20 Jahren mit den Lakers die Meisterschaft, er spielte nie für ein anderes NBA-Team.

Seine 33.643 Zähler in Spielen der Hauptrunde werden nur von Kareem Abdul-Jabbar, Karl Malone und James übertroffen. Letzterer überholte Bryant in der Bestenliste am Tag vor dem Absturz, Bryants letzter Tweet war ein Glückwunsch: „Viel Respekt mein Bruder“.

Beim ersten Heimspiel nach dem Unglück vor einem Jahr hielt James eine bewegende Rede im voll besetzten Staples-Center. „Wir wollen sein Vermächtnis fortsetzen, nicht nur in diesem Jahr, sondern so lange wir Basketball spielen“, versprach James damals unter dem Jubel der Fans. „In den Worten von Kobe Bryant: Mamba out. In unseren Worten: Unvergessen.“