BerlinBei ihrem größten Auftritt musste Tobias Singer sie allein laufen lassen. Gut, Hilfestellung hätte er Mayada Al-Sayad beim Tragen der palästinensischen Flagge zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2016 in Rio ohnehin nicht leisten können. Dafür aber hatte der 31-Jährige im Vorfeld einen Anteil geleistet, der über den eines normalen Trainers hinausgeht und der damals 23-jährigen Berlinerin geholfen, dass sie überhaupt ins olympische Stadion in Rio einlaufen konnte. Nicht an, sondern auf der Strecke des Hamburg-Marathons hatte Singer seine Athletin ein paar Monate zuvor begleitet. Nicht auf einem Fahrrad oder in einem Begleitfahrzeug, sondern in eigenen Laufschuhen. Als Tempomacher, Hase oder, wie man es in der heutigen Sportsprache sagt: als Pacemaker.

Die Rolle desjenigen, der eine Athletin oder einen Athleten auf der Jagd nach einer Qualifikationsnorm, einer Bestzeit oder einem Streckenrekord unterstützt, hatte Tobias Singer vorher bereits für andere Läufer übernommen. Selbstlos, in einer Sportart, in der es eigentlich nur um individuelle Leistungen geht. In der eigenen Trainingsgruppe in Berlin wird der Teamgedanke jedoch großgeschrieben. Mit Mayada Al-Sayad „habe ich fast alles zusammen trainiert und ihr in den entscheidenden Rennen das Tempo gemacht“, sagt er, „dadurch habe ich meinen Anteil gehabt, aber auch meine Arbeit abgesichert.“ Al-Sayad sei eine Läuferin, die sich auf gewisse Dinge verlassen muss und „vielleicht nicht intuitiv bei einem großen Marathon richtig gehandelt hätte. Da konnte ich sie unterstützen und ihr für die Norm und Bestzeit helfen“, sagt der Trainer, „dass wir das geschafft haben, hatte mit dem Vertrauen und der Verlässlichkeit im Rennen zu tun.“

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