Im Landschaftspark in Adlershof findet man an jedem Donnerstagvormittag die „Revolutionäre Laufgruppe Adlershof“.

Foto: Carsten Koall

BerlinDer Treffpunkt hat sich geändert, die frühe Zeit ist geblieben. Anstatt vor der Sporthalle in der Merlitzstraße rollt Marius Pille an diesem Donnerstag mit seinem Rennrad in Richtung eines Einfamilienhauses nahe des Landschaftsparks in Adlershof. Das Rad braucht der Master-Student an diesem Vormittag nicht, parkt es auf dem Hof des Grundstücks von Reinhard Rösel. Als kurz nach 8.30 Uhr auch Peter Schemel ankommt, ist die kleine Laufgruppe vollständig. Zumindest für diesen Donnerstagvormittag bei blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. „Wir waren auch schon mal zehn Läufer, aber drei, vier laufen eigentlich immer. Klein, aber stabil“, sagt Peter Schemel auf dem Weg zur Laufstrecke.

Als Trainer der kleinen Gruppe im Landschaftspark zwischen Johannisthal und Adlershof gibt er die Kommandos. Die braucht es auch bei dieser Laufgruppe, die sich nicht zum Unterhalten trifft. Nicht auf dem kurzen Weg vom morgendlichen Treffpunkt zum in Spuckweite gelegenen Start und erst recht nicht auf der Strecke. Die „Revolutionäre Laufgruppe Adlershof“, so nennen sich die Teilnehmer, hat sich auf Intervalltraining spezialisiert und scheidet damit für so ziemlich jeden Laufanfänger erst einmal aus. Anschluss zu finden, ist in einer Stadt wie Berlin dennoch nicht schwer. Laufgruppen schießen in allen Stadtteilen aus dem Boden wie im Herbst die Pilze. Doch wie die kleinen Freunde mit den unterschiedlichen Kappenfarben muss man auch die Laufgruppen erst einmal suchen. Es gibt Standorte, da findet man nichts, in anderen Gebieten springen sie einem förmlich ins Gesicht. Ein wichtiger Helfer: das Internet.

Zahlreiche Apps, vor allem aber Internetseiten unterstützen bei der Suche. Oft reicht die Postleitzahl aus und dem interessierten Läufer oder dem, der ein Interesse am Laufen entwickelt, werden ein paar Vorschläge in der Nähe unterbreitet. Und damit werden schnell zwei der drei wichtigsten Kriterien einer Laufgruppe erfüllt. Die muss nämlich „wohnungsnah sein, die Möglichkeit der Anreise muss leicht und es muss das komplette Angebot abgedeckt sein“, erzählt Konrad Polcuch. Als Lauftreffleiter in Pankow und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Berliner Läufercup kennt er sich in der Szene der Laufgruppen bestens aus.

Die präsentiert sich auf unterschiedlichen Online-Plattformen. Mit zwei, drei Klicks auf der Internetseite des Berliner Leichtathletikverbandes landet man etwa bei „laufen.de“, einer Homepage, auf der sich sogenannte DLV-Treffs, die vom Deutschen Leichtathletikverband unterstützt werden, befinden. Auch die Gruppe „Back-Up Sportsolutions“ in Pankow, die Konrad Polcuch leitet, ist dort zu finden. Aber: „Unser Lauftreff ist dadurch bekannt geworden, dass wir beim Laufen gesehen wurden, die analoge Anschauung“, sagt er und lacht. Der Erstkontakt kann also auch in der digitalen Zeit noch auf dem altbewährten, persönlichen Weg hergestellt werden, gelegentlich schwirren auch noch Flyer in Sportfachgeschäften herum. Die Informationsquelle der Gegenwart ist aber längst das Internet. Und das Handy der treue Begleiter. „WhatsApp ist das Medium, das die meisten Leute nutzen, um sich auszutauschen“, so Polcuch, „wenn man mal später kommt oder fragt, wo die anderen Läufer sind. Für so kurzfristige Absprachen ist das sehr gut geeignet.“

Auch Peter Schemel hat das technische Helferlein stets dabei. Nicht für WhatsApp-Nachrichten, sondern zur Kontrolle des Intervalltrainings. Schon in die Aufräumrunde an diesem Donnerstagvormittag wird ein Lauf-ABC eingebaut. Andere Läufer im Landschaftspark werden gegrüßt, man kennt sich mittlerweile. Nicht jeder Läufer mag das Laufen in der Gruppe, manch einer aber sucht den sozialen Kontakt. Im März, April und Mai, als das Laufen in größeren Gruppen ohnehin untersagt war, habe das Handy und darauf die ein oder andere App geholfen, um in Kontakt zu bleiben und die Laufleistungen der Gruppenmitglieder zu sehen. Die „Revolutionäre Laufgruppe Adlershof“ hatte außerdem zu Ostern die eigene Facebookseite wiederentdeckt und zwei Bilder von kurzen Laufstrecken, die wie ein Hase aussahen, veröffentlicht. Vor ein paar Jahren wurde die Seite von Peter Schemel und seinen Mitstreitern etwas mehr gepflegt, sie luden sogar im Wochenrhythmus Trainingspläne hoch. Trotzdem „hat sich kaum jemand gemeldet“, so Schemel, „zwei Leute haben uns mal angeschrieben, da ist aber nichts draus geworden. Ein, zwei Läufer kamen dann mal.“

Ansonsten aber setzt die Laufgruppe auf Studenten aus dem Hochschulsportprogramm der Humboldt-Universität. „Solange der Hochschulsport läuft, fangen so vier, fünf Studenten an und alle ein, zwei Jahre bleibt dann mal einer länger dabei“, sagt der Leiter der Laufgruppe im Landschaftspark, „wir verweigern uns natürlich nicht gegenüber Läufern aus der Nachbarschaft. Vordergründig geht es uns aber nicht ums das Präsentieren, sondern wir laufen zusammen. Wir haben gesagt, dass es hier einen Lauftreff gibt, und falls jemand mitmachen will, kann er uns auch finden, größer ist unser Anspruch auch nicht.“

Sucht man auf Internetseiten wie „laufen.de“ oder „lauftreff.de“ nach Gruppen in der eigenen Umgebung, wird man schnell findig. Anders aber als etwa bei „Pilzfinder.de“, wo man zwar viele Informationen über Pilze, aber nicht deren genauen Standort findet, sind Ort und Angaben zum Ansprechpartner sowie den Trainingszeiten und Strecken für Läufer sehr wichtig. „Es sind ja Menschen, die ihre Zeit planen müssen“, sagt Konrad Palcuch. Nicht ganz unwichtig sind auch Angaben zur Struktur einer Laufgruppe. Damit man nicht schon nach dem ersten Lauf die Motivation verliert, muss die Gruppe passen. Palcuch hält die Angabe der altersmäßigen Zusammensetzung zwar nicht für ganz so wichtig, sagt aber auch: „Für den ersten Schritt, wenn man auf die Idee kommt, sich zu bewegen, sind wir vielleicht nicht so ganz geeignet.“

Das gilt auch für die „Revolutionäre Laufgruppe Adlershof“. Ein Einsteiger würde vermutlich nach der Aufwärmrunde und dem anschließenden Stretching den Lauftag für beendet erklären, doch Peter Schemel, Reinhard Rösel und Marius Pille legen da erst richtig los. Während es die anderen, einzelnen Läufer im Park etwas entspannter angehen lassen, stehen für das Trio vier Runden mit Intervallläufen an diesem sonnigen Donnerstagvormittag auf dem Programm. 13 absolvierte Kilometer in etwas mehr als einer Stunde Laufzeit spuckt das Handy um kurz vor 10 Uhr aus. Ein gutes Training für die drei von der revolutionären Laufgruppe geht zu Ende. Irgendwann mal wollen sie sich noch eine Fahne mit ihrem Laufgruppen-Logo zulegen und darauf ein paar Pappkärtchen mit Informationen zur Laufgruppe legen, die sich Interessierte mitnehmen können. „Aber das ist so ein Projekt, das wir noch nicht umgesetzt haben“, sagt Peter Schemel. Mit einem Lächeln im Gesicht geht es gemeinsam mit Reinhard Rösel zurück zum Ausgangspunkt dieses Vormittags.