BerlinDie kurzen Beine hat er natürlich nicht von mir, und dennoch passen mein kleiner Hund und ich optisch ganz gut zusammen. Ganz das Herrchen, könnte man meinen, wenn es um das Lauftalent geht: schneller Antritt, ja, schneller Sprint, nein. Doch auch die langen Kanten erfreuten sich bei mir noch nie großer Beliebtheit, es muss etwas dazwischen sein, um mich zum Laufen zu motivieren. Als ich im Frühjahr dieses Jahres ernsthaft beschloss, mir nicht mal nur wieder Laufschuhe zu kaufen, sondern diese auch wirklich durch den naheliegenden Wald auf einer mittelgroßen Laufrunde auszuführen, hatte ich kurz überlegt, unseren vierbeinigen Freund mitzunehmen.

Den Begleiter-Test während der Fahrradtouren meiner Freundin hatte er schon bestanden, aber ich war mir unsicher, ob er sich auch als Laufpartner eignet. Gut, meine Bedenken waren auch ein Ergebnis meiner jahrelangen Laufabstinenz und der drohenden Aufgabe, erst einmal mehr auf mich und mein Wohlbefinden zu achten, anstatt auf unseren Hund aufpassen zu müssen.

Martin Rütter füllte vor Corona die großen Hallen in Deutschland

Die Bestätigung für meine Einschätzung bekam ich von jemandem, der sich mit Hunden bestens auskennt. „Beim Joggen liegt der Hauptaspekt im Training des Menschen, der sein Laufprogramm absolvieren möchte. In der Regel bleibt keine Zeit, auf die Bedürfnisse des Hundes einzugehen“, erzählte mir Martin Rütter. Der bekannte und in Deutschland sehr beliebte Hundetrainer, der auch in Berlin Partner zweier Hundeschulen in Schöneberg und im Grunewald ist, hat sein Wissen über die treuen Gefährten des Menschen nicht nur in zahlreichen Büchern geteilt, sondern füllt mit seinen lustigen und auf Erfahrungen aus dem Alltag beruhenden Bühnenprogrammen selbst so große Hallen wie die Arena am Ostbahnhof in diesem Jahr. Zumindest tat er es so lange, bis auch er von der Corona-Krise ausgebremst wurde. 

Nicht nur ich, sondern viele andere Menschen werden in dieser Zeit über das Thema Laufen nachgedacht haben. Sicher auch der eine oder andere Hundebesitzer. Aber genau wie nicht Mensch gleich Mensch ist, unterscheiden sich auch Hunde in ihrem Körperbau und in ihrem Wesen. Es gibt faule Hunde und Energiebündel. Was gilt es also zu beachten?, frage sicher nicht nur ich.

Unser Hund, ein Mischling aus Dackel und Jack Russell Terrier, der auf den Namen Alfred hört, gehört zur Sonderfraktion der Duracell-Hasen und scheint ein wahres Laufwunder zu sein. Den Beweis lieferte unsere spanische Hundesitterin. Besser gesagt ihre Lauf-App und die dort zu lesenden Zahlen: Gut 18 unfallfreie Kilometer war sie mit ihm vor wenigen Wochen durch den Prenzlauer Berg gejoggt und lobte ihn hinterher. Der Tag war für ihn danach gelaufen, der sonst so große Bewegungsradius schrumpfte auf die kurze Strecke zwischen Schlafplatz und dem Futternapf als Energie-Tankstelle. Mission erfüllt. Denn: „Ganz allgemein ist Joggen eine tolle Variante, den Hund körperlich auszulasten“, sagt Martin Rütter. „Natürlich sollte der Hund in einem guten Trainingsstand sein.“

Der Mann, dem die Hunde vertrauen: Martin Rütter ist einer der bekanntesten und beliebtesten Hundetrainer in Deutschland.
Foto: Klaus Grittner

Bevor man sich mit seinem Hund auf die Piste begibt, gilt es aber nicht nur, darüber nachzudenken, sondern müssen auch ein paar Dinge beachtet werden: Laufstrecken mit weichem Untergrund schützen die Gelenke – von Mensch und Hund. Plant man lange Strecken und ist es draußen besonders warm, sollte nicht nur der menschliche Körper Flüssigkeit zu sich nehmen, sondern auch der Hund mit Wasser versorgt werden. Mit vollem Magen und voller Blase sollte ein Hund ebenfalls nicht laufen. Kleine Idee: Während sich der Besitzer vor dem Lauf dehnt und leicht erwärmt, kann der Hund an den Bäumen des Waldes die „Nachrichten des Tages lesen“ und dort „seine eigenen Botschaften hinterlassen“.

Alfred mag unseren Wald ganz besonders. Mit seinen acht Kilogramm, einem voluminösen Brustkorb und kräftig ausgeprägter Beinmuskulatur – ähnlich der des Herrchens – sowie seinem natürlichen Jagdinstinkt trägt er zwar viel Energie in sich, gehört aber nicht per se zu den Hunderassen, die auch perfekte Joggingpartner sind. Beim Thema Laufen denkt man in erster Linie an den Husky, der gerne als Schlittenhund benutzt wird. Der Australian Shepherd, der Windhund, Labradore, Golden Retriever, Dalmatiner, Pudel, Border Collie oder der Weimaraner werden bei der Suche im Internet ebenfalls als Hunde bezeichnet, die das Joggen lieben. Als „faule Hunde“ werden auf der anderen Seite der Mops, die Bulldogge, die französische Bulldogge, der Boxer, Pekingese, Shih Tzu, Gorgi und eben der Dackel genannt.

Wie bei uns Menschen bestätigen aber auch bei Hunden Ausnahmen die Regel. Und längst sind nicht nur die körperliche Konstitution und die Anatomie des einzelnen Hundes ausschlaggebend dafür, ob er ein guter Joggingpartner für den Läufer ist. Laut Martin Rütter soll sich die kleine oder große Fellnase „nicht so weit vom Menschen entfernen, auf Ruf sofort zurückkommen und auch einmal ein Stück frei bei Fuß mitlaufen“. „Alternativ kann man den Hund auch an der Leine führen, wobei er dann ein Geschirr tragen sollte. Wichtig ist hier, dass Hund und Läufer den gleichen Laufrhythmus haben“, sagt der Hundetrainer.

Ähnlich wie bei den Sportartikeln für Menschen scheint es auch bei der Ausrüstung für den Hund keine farblichen und technischen Grenzen zu geben. Laufgürtel und Laufleine, die den Menschen und seinen treuen Begleiter auch während des gemeinsam Joggingausflugs verbinden sollen, gibt es von zahlreichen Anbietern und in unterschiedlichen Preissegmenten. Ratsam sind sie allemal, denn für so ein Tier ist so ein Ausflug mit Herrchen oder Frauchen eine gemeinsame Abwechslung, aber eben doch ein anderes Erlebnis. „Denn Hunde gehen nicht spazieren und genießen die Landschaft, genauso wenig aber rennen sie einfach nur so zur Bewegung und körperlichen Auslastung durch die Gegend“, sagt Martin Rütter. „Einen Augenblick verweilen, um mit der Nase einem spannenden Duft nachzugehen, ein kurzes Spiel mit dem vierbeinigen Hundefreund, für alle diese Dinge ist beim Laufen eher keine Zeit. Genauso wenig wie für Spiele und Training mit dem Hund.“

Joggen zu Trainingszwecken, zur Gewichtsreduzierung oder als Ausgleich zum Berufsleben braucht ein Hund nicht. „Bewegung muss Sinn machen. Ein Sprint, um das Bällchen zu holen, eine ausdauernde Suche nach Futter oder die Jagd auf der Spur nach Beute, das sind aus Sicht des Hundes sinnvolle Bewegungs- beziehungsweise Beschäftigungsmöglichkeiten“, so Rütter. „Natürlich kann ein Hund den Menschen dennoch beim Laufen begleiten. Es sollten aber weitere Ausflüge mit dem Hund eingeplant werden, an denen die Bedürfnisse des Hundes an erster Stelle stehen.“ Wie wir Menschen braucht aber auch ein Hund seine Erholungsphasen. Zu viel Bewegung, zu lange Strecken und zu wenig Regeneration können sich selbst bei den Vierbeinern ins Negative umkehren. Was gibt es also Besseres, als die Bindung zwischen Hund und Mensch auf dem Sofa zu vertiefen. Darin sind Alfred und ich übrigens schon Weltmeister. Das mit dem gemeinsamen Joggen nehmen wir dann auch mal irgendwann in Angriff. Wenn das Wetter wieder besser ist.