Endlich beginnt für sie die Triathlon-Saison: Laura Lindemann aus Berlin. 
Foto: Imago Images/Jörg Schüler

BerlinBislang ist Laura Lindemann ziemlich genervt gewesen von der Triathlon-Saison, die keine war. Sie kam sich vor, als hetze sie den Wettkämpfen hinterher. Kaum hatte sie sich auf einen Start eingestellt, wurde nichts draus. Abgesagt. Verschoben. Ausgebremst. So ist es mit der Triathlon-Europameisterschaft in Tartu, Estland, gewesen. So war es mit ihrer Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Braunschweig, wo die mehrmalige deutsche Triathlon-Meisterin gern auf der Bahn über 5000 Meter gestartet wäre.

An diesem Wochenende geht es der 24 Jahre alten Berlinerin, die in Potsdam lebt und trainiert, nun umgekehrt. Die Triathlon-Wettbewerbe über die Sprintdistanz in Hamburg finden nicht nur statt, sondern sind plötzlich mehr wert, als alle dachten. Sie zählen nicht wie sonst zur einer WM-Serie, die von März bis September rund um den Globus ausgetragen wird, sondern als Weltmeisterschaft. Alle Rennen zuvor sind wegen Corona ausgefallen. Das bedeutet: am Sonnabend (17.30 Uhr, ARD) werden WM-Medaillen im Einzel über 750 Meter Schwimmen, 18,9 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen vergeben, am Sonntag (14 Uhr, ZDF) geht es um WM-Medaillen in der Mixed-Staffel.

„Wir wissen erst seit einer Woche, dass es eine WM sein soll“, sagt Lindemann, „ich hätte das gar nicht erwartet, aber natürlich ist jetzt die Motivation noch mal ein bisschen höher.“ Wobei es in diesem Jahr für alle Athleten vor allem darum geht, überhaupt mal wieder einen Startschuss zu hören. Für dieses Erlebnis hätte Lindemann sogar kurzzeitig die Sportart gewechselt.

Sie war gerade mit ihrer Potsdamer Trainingsgruppe im Höhentrainingslager in Livigno. In den italienischen Alpen kam ihr die Idee, eine schnelle 5000-Meter-Strecke zu laufen. Da war das Konzept für den Wettkampf bei der Leichtathletik-DM gerade genehmigt. Sie schrieb dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und informierte die Deutsche Triathlon-Union (DTU). Die Verbände einigten sich schnell auf eine Sonderregelung, da Lindemann keine Meldezeit bei einem DLV-Wettkampf vorweisen konnte.

„Das war schon sehr ärgerlich“

Die Berlinerin trat beim Leichtathletikverein SC Potsdam ein, gab ihre Meldung ab. Aber dann protestierte eine Athletin gegen ihren Start. „Das Problem war offenbar, dass ich noch nicht lang genug Mitglied bei dem Laufverein war“, sagt Lindemann. „Die Athletin ist dann gar nicht bei den Deutschen Meisterschaften mitgelaufen. 17 Sportlerinnen hätten starten können, am Ende waren nur 15 dabei. Das war schon sehr ärgerlich.“

An dem heißen Augustwochenende, an dem die Leichtathleten in Braunschweig schwitzten, organisierte Lindemann in Potsdam daraufhin ihr eigenes 5000-Meter-Rennen. Sie fragte den Triathlonkollegen Philipp Wiewald und Fünfkämpfer Fabian Liebig, ob sie als Pacemaker helfen würden – und rannte die 5 Kilometer in 16:01 Minuten. Alina Reh gewann den deutschen Meistertitel in Braunschweig in 16:08 Minuten, die Berlinerin Rabea Schöneborn kam als Zweite noch mal zehn Sekunden später ins Ziel. Quervergleiche sind unangebracht, „ein direkter Vergleich wäre aber mal interessant gewesen. Mit macht es Spaß auf der Bahn. Für die Zukunft bleibe ich auf jeden Fall im Laufverein“, sagt Lindemann.

Jetzt ist die Triathlon-Europameisterin und U23-Weltmeisterin, die ein Studium bei der Brandenburger Polizei absolviert, gespannt, welche Form sie und die anderen am Wochenende beim Schwimmen, Radfahren und Laufen zeigen können. Bei den Frauen ist bei den Athletinnen der Weltranglistenplätze eins bis acht in Hamburg die komplette Weltspitze am Start. Die WM findet ohne Zuschauer und ohne Jedermann-Rennen nicht wie sonst am Rathausplatz, sondern im Stadtpark statt. Der Weltverband bestand auf die Ausrichtung, trägt das finanzielle Risiko und erließ der Stadt Hamburg sogar die Bewerbungsgebühr für eine Doppel-WM. Lindemann sagt: „Ich bin froh, dass eine Lösung gefunden wurde. Es wird bestimmt schön, alle wiederzusehen und ein ernsthaftes Rennen zu machen. Endlich scheint es zu klappen, dass die Saison beginnt.“