Berlin - LeBron James in kurzen Jeans und grauem Kapuzenpulli ist für die Los Angeles Lakers ziemlich wertlos. Beim vorletzten Heimspiel des Rekordmeisters in der NBA-Hauptrunde saß der 37 Jahre alte Superstar in Zivil am Spielfeldrand. Der Knöchel. Doch selbst wenn James beim 118:129 gegen die Denver Nuggets am Sonntag hätte mitspielen können – am Ende dieser Pleiten-Pech-und-Pannen-Saison des Glitzer-Klubs aus der Unterhaltungsmetropole in Kalifornien hätte sich ziemlich sicher nichts verändert: Wenn es in den Play-offs zur Sache geht, ist der Rekordmeister nicht dabei. Und der wichtigste Basketballer der Liga auch nicht.

Lakers müssen dreimal mehr als die Spurs gewinnen

James ist seit Kurzem der zweitbeste Werfer in der Liga-Geschichte und zudem aktuell der Topscorer der Saison. Vier Spiele vor dem Ende der regulären Saison stehend, müssen die Lakers aber dennoch dreimal mehr gewinnen als die San Antonio Spurs, um doch noch auf Rang zehn zu klettern und am Play-in teilnehmen zu dürfen. Weil die Spurs am Sonntag gegen die Portland Trail Blazers gewannen, ist die Situation sogar schlechter als am Freitag, als nur zwei Siege aufgeholt werden mussten. Und schon da sagte James nach der Niederlage gegen die New Orleans Pelicans: „Das Gesamtbild ist, dass das so ziemlich ein Pflichtsieg für uns war – und wir haben den Job nicht erledigt bekommen.“

Im Prinzip ist allen klar, dass diese Saison gelaufen ist. Noch teilen sich die Lakers und die Boston Celtics mit je 17 Titeln die Bezeichnung Rekordmeister in der NBA. Doch statt des Teams, das Show und Sport einst zusammenführte und das sich mehr als alle anderen Mannschaften der Liga über Erfolg und Siege definiert, sind die Celtics womöglich bald das erfolgreichste Team der Liga-Geschichte – die Mannschaft um Nationalspieler Daniel Theis steht in der Eastern Conference auf Rang zwei und hat 13 der vergangenen 16 Spiele gewonnen. Die Ausbeute der Lakers im gleichen Zeitraum? Vier Siege. Zwölf Niederlagen.

Dabei waren die Lakers vor der Saison so zuversichtlich – der Kader klang schließlich wie der eines All-Star-Spiels. LeBron James und Anthony Davis waren schon da, dazu kamen Carmelo Anthony und, als vermeintlich wichtigster Zugang, Russell Westbrook. Was man Dennis Schröder nach seiner einzigen Saison im Trikot der Lakers nicht zutraute, sollte Westbrook nun sein – der Motor einer gut laufenden Offensiv-Maschine. „Auf dem Papier sehen wir richtig gut aus“, sagte Davis nach der Pleite gegen die Nuggets. „Aber wir hatten keine Chance, das zu zeigen.“

78 Spiele haben die Lakers hinter sich. 39 Mal gab es eine neue Startaufstellung. James, Davis und Westbrook zusammen? Sahen die Fans lediglich 21 Mal. Mal war Davis verletzt, mal James, mal beide, Davis ist seit zwei Spielen wieder dabei, James aber gerade nicht. „Was hätten wir sein können, wenn wir alle gesund gewesen wären?“, fragte Davis am Sonntag in die Runde der Journalisten.

Russell Westbrook ist nicht der erhoffte Leistungsträger

Die vielen Verletzungen sind sicher der Hauptgrund für den krassen Abstieg vom Titelkandidaten zum Mittelklasseteam. Als alleinige Erklärung taugen sie dagegen nicht – zu viele Fehler der gesunden Spieler wurden gemacht, zu viele Siege leichtfertig aus der Hand gegeben. Und Westbrook ist bei Weitem nicht der Leistungsträger, den man in ihm sehen wollte.

Vier Spiele Hoffnung gibt es nun noch. Am Dienstag bei den Phoenix Suns, dem besten Team der Liga. Danach bei den Golden State Warriors, die noch auf Stephen Curry verzichten müssen. Dann kommen die Oklahoma City Thunder zum letzten Heimspiel der Hauptrunde. Am 10. April schließlich: wieder die Nuggets. Selbst wenn das sportliche Wunder gelingt, ist der Titel unerreichbar und ein Umbruch nach der Saison notwendig.