Berlin - Auf den Rat des Fußballers Zlatan Ibrahimovic hätte LeBron James sicher gut verzichten können. „Ich werde niemals meinen Mund halten bei Dingen, die falsch sind“, sagte das Basketballidol von den Los Angeles Lakers aus der nordamerikanischen Profiliga NBA. Er konterte damit den Angriff des schwedischen Starkickers ganz kühl. Ungerechtigkeiten akzeptieren? Klein beigeben? Sich einfach raushalten? Schweigen? Für James sind diese Optionen alle indiskutabel.

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Will sich nicht den Mund verbieten lassen: US-Basketballer LeBron James.

Natürlich hatte sich Ibrahimovic das Ziel ganz bewusst rausgepickt, um mal seine Sicht der Dinge darzustellen und Kritik zu üben, vielleicht auch, um Klicks im Internet zu generieren, die aktuell ja eine ganz eigene Währung sind. „Mach, worin du gut bist. Bleib dabei“, sagte der Stürmer des AC Mailand in einem Uefa-Interview für den Kanal Discovery+ in Schweden. Er wusste, dass der Piks sitzen würde, denn der Fußballer polarisiert gern, und James ist nicht nur das Gesicht der Profiliga NBA – er ist das Gesicht der Sportlerproteste in den USA.

Er bewundere James für das, was er auf dem Spielfeld mache, sagte Ibrahimovic. „Er ist phänomenal, aber ich mag es nicht, wenn Leute einen bestimmten Status haben und dann losgehen und Politik machen“, meinte der 39-Jährige mit dem großen Ego, „ich spiele Fußball, weil ich der Beste dort bin. Ich mache keine Politik. Wenn ich das wollte, würde ich in die Politik gehen.“

Auch Zlatan Ibrahimovic positioniert sich gegen Rassismus

Eine ziemlich plumpe Steilvorlage, die James natürlich sofort zu nutzen wusste. „Ich spreche von einem gebildeten Standpunkt aus. Ich bin der falsche Typ, um angegriffen zu werden, denn ich mache meine Hausaufgaben“, sagte der viermalige NBA-Champion. Er predige unter anderem „über Ungleichheit, soziale Ungerechtigkeit, Rassismus und systematische Unterdrückung von Wählern“.

Dass er gut informiert ist, unterstrich er auch. Ibrahimovic sei schließlich „derselbe Typ, der gesagt hat, dass er in Schweden Rassismus auf dem Platz gespürt hätte, weil sein Nachname kein typischer Nachname war“. 2018 war von Ibrahimovic in diesem Zusammenhang zu hören gewesen, er heiße „halt nicht Andersson oder Svensson“. Der in Malmö geborene Ibrahimovic ist der Sohn eines aus Bosnien stammenden Vaters und einer aus Kroatien stammenden Mutter. Nach einem Vorfall im Mailänder Derby gegen Inter hatte er erst vor einem Monat jede Form von Rassismus von sich gewiesen. „In Zlatans Welt ist kein Platz für Rassismus“, hatte der 39 Jahre alte Stürmer des AC Mailand auf Twitter geschrieben.

LeBron James kennt die Kraft seiner Stimme

Basketballer Dennis Schröder sprang seinem Teamkollegen James zur Seite. „Jeder Athlet kann seine Plattform nutzen und versuchen, Veränderungen in dieser Welt herbeizuführen“, sagte der deutsche Nationalspieler. Die Kommentare aus Italien konnten ihn nicht überraschen. „Zlatan ist ein bisschen anders. Einzigartiger Spieler, einzigartiger Charakter.“

James kennt solche Attacken schon, sie prallen an ihm ab. So wie der Kommentar von Fox-Nachrichtensprecherin Laura Ingraham, die ihm vor Jahren „Shut Up and Dribble“ zugerufen hatte. Also frei übersetzt, Klappe halten, Ball spielen. „Auf keinen Fall würde ich mich nur auf Sport beschränken. Ich weiß, welche Kraft meine Stimme hat“, betonte James nach dem Spiel gegen Portland (102:93).

Mit seiner Meinung zum politischen Engagement von Sportlern dürfte Ibrahimovic ziemlich alleine dastehen. Zunehmend thematisieren Athletinnen und Athleten Missstände. Wie James, der auch in der „Black Lives Matter“-Bewegung aktiv ist, kommen viele von ihnen aus den USA. James wehrte sich zuletzt, ähnlich wie die US-Fußballerin Megan Rapinoe, regelmäßig gegen den früheren US-Präsidenten Donald Trump und dessen Politik.

Ibrahimovic ist jüngst erneut Opfer einer rassistischen Beleidigung geworden. Beim Europa-League-Spiel der Mailänder bei Roter Stern Belgrad war er laut Fernsehaufnahmen mehrmals als „stinkender Balija“ beleidigt worden. Es ist ein Schimpfwort, das von serbischen Nationalisten für bosnische Muslime verwendet wird. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat Ermittlungen eingeleitet.