Genugtuung? Gewiss, die wird er verspüren, diese gleichwohl nicht zur Schau tragen, wenn sein Verein, der RasenBallsport Leipzig e. V., am Sonnabend im Berliner Olympiastadion das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern bestreitet. Nein, Dietrich Mateschitz, der Besitzer des gern mal als Brauseklub verunglimpften Bundesligisten, wird noch nicht einmal vor Ort sein, wenn sein ostdeutsches Franchise gerade mal zehn Jahre nach dessen Gründung sich den ersten bedeutenden Titel sichern soll.

Der Österreicher, der am Montag seinen 75. Geburtstag feierte, ließ sich entschuldigen, eine wichtige Auslandsreise zwinge ihn zur Absenz, teilte er mit, außerdem fände er es „gar nicht richtig, die Anerkennung für Leistungen, die er persönlich ja gar nicht erbracht hat, für sich zu reklamieren. So viele Personen haben in den vergangenen Jahren tagtäglich hart für die Entwicklung von RB Leipzig gearbeitet, ihnen soll nun auch die Aufmerksamkeit gehören.“

Stichwort Aufmerksamkeit. Diese zu erzielen, ist in seinem Fall die Grundlage seines Geschäftsmodells. Mateschitz, der es auf geniale Weise durch die Vermarktung eines Energy-Drinks zum Milliardär gebracht hat, kennt dabei keine Hemmungen, lässt Extremsportler vom Hochhaus oder gar aus der Stratosphäre springen, mischt mit einem hoch budgetierten Formel-1-Team die Königsklasse des Motorsports auf, übernimmt mit seinen Fußball- und Eishockeyklubs geradezu zwangsläufig die Rolle des garstigen Antagonisten.

Er hatte ja schon eine Ahnung, wieviel Widerstand er in Leipzig mit seinen Absichten erfahren wird, ordnete sein Engagement in Sachsen als Schnapsidee ein, die wie so manch andere Schnapsideen allerdings zur Erfolgsgeschichte geworden ist. Für den RB-Konzern, für den Klub, für den deutschen Fußball, und wenn das auch keiner so gern hören und lesen mag, auch für die Stadt und für Ostdeutschland.

Mateschitz als Feindbild

Es ist ja nicht so, dass er mit seiner Unternehmung das Wachstum der ortsansässigen Traditionsklubs hemmen würde. Mateschitz ist für einen Klub wie den 1. FC Lokomotive ja nicht das Problem, sondern eigentlich nur das gar nicht so ungelegen aufgetauchte Feindbild, mit dem sich es vom eigenen Unvermögen ganz gut ablenken lässt.

Mit einer Resilienz, die beispielsweise einem wie Hoffenheims Dietmar Hopp nicht gegeben ist, hat er einen Klub im aus fußballerischer Sicht noch mitunter wilden Osten verwurzelt, der vor Ort nicht nur Arbeitsplätze geschaffen hat, sondern auch als identitätsstiftende Dauerprojekt bestens funktioniert, zudem Leipzig sportlichen Glanz verleiht. Einen Klub, der so gut aufgestellt ist, dass er auch auf internationaler Ebene eine nicht unbedeutende Rolle spielen kann.

Irgendwie ist Mateschitz halt jenseits von Gute und Böse, ein bisschen unheimlich, aber auch unheimlich erfolgreich. Das verdient zumindest das hier: Respekt.