Im Fanshop von RB Leipzig im Petersbogen steht die Beflockungsmaschine gleich neben der Kasse. Wer hier ein Trikot erwirbt, kann sich Nummer und Name umgehend auf der Rückseite aufbringen lassen. Neben Publikumsliebling Yussuf Poulsen und seiner Neun steht immer noch Timo Werner mit der Elf am höchsten im Kurs, erzählen Mitarbeiter aus der Marketingabteilung. Trotz ungeklärter Zukunft. Der Torjäger mit dem Turboantritt avanciert zu einer Hauptfigur für das Pokalfinale zwischen Leipzig und dem FC Bayern (Sonnabend 20 Uhr). Ist dieser Showdown zugleich seine Abschiedsvorstellung für RB, um dann nach München überzulaufen?

Werner, 23, schweigt seit geraumer Zeit zu solchen Fragen. Eine frühere Grundsatzerklärung („Wenn man in Deutschlang bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, gibt es nur einen Verein, zu dem man wechseln kann“) allerdings ließ wenig Interpretationsspielraum: Ins Ausland will Werner noch nicht, und als nächste Stufe kommen nur die Bayern infrage. Sein Arbeitgeber aber will unter allen Umständen einen ablösefreien Abgang 2020 verhindern, sondern eine „marktübliche Ablöse“ einstreichen, wie RB-Baumeister Ralf Rangnick betont. Schließlich sollen beide Seiten vom Wertzuwachs profitieren, nachdem vor drei Jahren ein verunsichertes Sturmtalent des Absteigers VfB Stuttgart bei den Sachsen anheuerte.

In allen Bereichen verbessert

Für das Leipziger Leitmotiv eines überfallartigen Hochgeschwindigkeitsfußballs war und ist das Zehn-Millionen-Schnäppchen wie gemacht. 50 Bundesligatore sind für ihn beim Brauseklub mittlerweile notiert. Hier verbesserte er sich in allen Bereichen: in der Ballbehauptung, am Durchsetzungsvermögen, im Abschluss. Im Gespann mit seinem nimmermüden Sturmpartner Poulsen, der die vordere Linie belegt, aber gerne zu den Seiten ausweicht, ist er kaum einzufangen, weil für die Gegenspieler schwierig zu verorten.

Genau an dieser Stelle stellen sich unabhängig vom Transferpoker die fußballerischen Fachfragen: Umschaltmomente à la Leipzig kreieren die Bayern eher selten. Stattdessen greifen sie in der Regel mit einer zentralen Spitze, Robert Lewandowski, an, weil sie auf tief stehende Gegner treffen, den sie mit geduldigem Kombinationsfußball vorwiegend über die Flügel zermürben.

Noch keine Priorität

Aber da gibt es mit Kingsley Coman und Serge Gnabry echte Spezialisten, sollte Leroy Sané von Manchester City wirklich angeworben werden, wäre die Besetzung exquisit. Rangnick spürt, dass die Gegenseite ins Zweifeln gekommen ist. „Wenn sich die Bayern bei Timo absolut sicher wären, hätten sie sich schon offiziell bei uns mit einer Anfrage gemeldet. Alles andere wäre untypisch für die Bayern“, sagte er zuletzt.

Werners Berater Karl-Heinz Förster soll zwar mit den FCB-Bossen gesprochen haben, aber bislang hat die Verpflichtung des 24-maligen Nationalspielers an der Isar offenbar nicht die oberste Priorität. So könnte die Causa noch eine kuriose Wendung erfahren: Wenn nämlich Lewandowski, 30, sich nicht zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung entschließt, sondern den Wunsch nach einer Luftveränderung äußert und sich der Meister deshalb sogar Sané und Werner leistet, wäre beim FC Bayern auf einmal jene dynamische Offensivreihe beschäftigt, die zuletzt in der Nationalmannschaft für frischen Wind gesorgt hat. Das Trio trifft sich demnächst im niederländischen Venlo zur Vorbereitung auf die WM-Qualifikationsspiele in Weißrussland und gegen Estland. Zuvor könnten für Werner wegweisende Zukunftsgespräche anstehen.