Ulm - Mit leerem Blick und der Silbermedaille in der Hand saß Alba Berlins Bogdan Radosavljevic am Sonntag Nachmittag an der Bande am Spielfeldrand der Ulmer Arena. Die Hände verschränkt, sah er dabei zu, wie die Basketballer des FC Bayern München erst ihre Medaillen und anschließend die Trophäe für den deutschen Pokalsieger 2018 überreicht bekamen. Zuvor hatte Alba das Finale um den Titel ebenso bitter wie knapp 75:80 verloren und sich so um den Lohn für eine gute Leistung beim Top Four in Ulm gebracht.

Als großer Favorit war Alba nicht zum Turnier der finalen Vier gereist. Heißester Anwärter auf den ersten Titel des Jahres, so der allgemeine Tenor vor dem Turnier, war der FC Bayern. Der spielt national wie international bislang eine überragende Saison. Der 84:73-Triumph im Halbfinale am Sonnabend über Gastgeber Ulm dürfte nur die wenigsten überrascht haben.

Es lag also an Alba, das Finale der großen Rivalen – von Niels Giffey als „der Showdown, auf den alles hinausgelaufen ist“ bezeichnet – perfekt zu machen. Und Alba tat genau das. Mit einer beeindruckenden Vorstellung und einem, zumindest offensiv, fast perfekten Spiel beim 96:74 gegen Bayreuth.

Teambasketball par excellenc

Alba erwischte einen guten Start in das Top Four. Von Minute eins an zelebrierten die Berliner förmlich ihren Teambasketball. Luke Sikma spielte seine patentierten Backdoor-Pässe, Dennis Clifford stopfte mit Autorität und die Außenspieler trafen einen Dreier nach dem nächsten. Unglaubliche 29 Assists verteilten die Berliner, die auch defensiv sehr solide standen.

Einem zwischenzeitlichen 30-Punkte-Vorsprung folgte ein singend und hüpfend eskalierender Fanblock und ein eindrucksvoller Sieg. „Es ist schön dabei zu sein, aber im Finale zu stehen, ist noch viel besser“, resümierte Trainer Aito Garcia Reneses anschließend, ehe er angesichts der Favoritenrolle der Bayern ergänzte: „In einem Spiel ist alles möglich.“

Dass der Pokalsieg zwar möglich war, am Ende aber doch nicht gefeiert werden konnte, stellte sich dann Sonntag in einem hochklassigen Finale heraus. Die Berliner starteten so in dieses Endspiel der Erzrivalen, wie sie im Halbfinale aufgehört hatten. Mit viel Intensität und Teambasketball par excellence. 

Sikma sorgte mit einem schönen Alley-Oop-Dunk nach Pass von Peyton Siva für die ersten Punkte. Dennis Clifford stopfte nach schöner Passstafette ebenfalls, ehe Bogdan Radosavljevic kurz darauf filigran unter dem Korb durchtauchte und den Dunk-Hattrick komplett machte.

Gehalten, geschubst, gerangelt

13:6 führte Alba nach fünf gespielten Minuten. Während die – in FC Bayern-Abneigung innig vereinte – Halle feierte, bat Münchens Trainer Sasa Djordjevic seine Akteure zum Gespräch. Bayern kam konzentrierter aus der Auszeit zurück und machte es Alba jetzt schwerer. Auf dem Parkett wurde gehalten, geschubst und gerangelt.

Sogar der immer entspannte Reneses ließ sich anstecken. Er dirigierte, kommandierte und echauffierte sich zwar nur ein wenig, aber doch merklich aufgeregter und intensiver als sonst. Das Ergebnis des hohen Einsatzes war dann ein knappes 38:36 aus Berliner Sicht zur Pause.

Knapp blieb es auch in der zweiten Spielhälfte. Siva eröffnete das dritte Viertel per Dreier, welchem Niels Giffey prompt zwei weitere Distanzwürfe folgen ließ. Auch der wieder einmal gut aufgelegte Sikma – am Ende mit 14 Punkten, vier Rebounds und zwei Korbvorlagen – traf aus der Ferne.

Dennoch blieben die Bayern erst dran und gingen wenig später sogar zum 52:50 in Führung. Und doch waren es die Berliner, die eine 59:54-Führung mit in die letzten zehn Minuten nahmen. Fast schon frenetisch wurde diese durch die Anti-Bayern-Koalition auf den Rängen bejubelt.

Mit Glück und Abgezocktheit

Das Schlussviertel war dann eines mit vielen Geschichten. Da wären etwa die vielen Fouls von Alba, welche nicht nur Clifford vier Minuten vor Schluss auf die Bank zwangen, sondern auch die anderen großen Berliner gefährdeten. Außerdem der Berliner Lauf, der Alba eine Zehn-Punkte-Führung bescherte. Und natürlich die Antwort der Bayern, welche im Anschluss ihrerseits nicht zu stoppen waren, die Berliner Fehler eiskalt nutzten und auf 73:72 verkürzten. So war alles angerichtet für das spannende Finale eines umkämpften Endspiels.

Die Entscheidung fiel, als Bayerns Braydon Hobbs mit Glück und Abgezocktheit einen Dreier zum 75:73 traf und der starke Jared Cunningham anschließend an der Freiwurflinie erhöhte. Alba hingegen gelang es jetzt weder gute Würfe zu kreieren, noch die schwierigen zu verwandeln. „Bayern war am Ende ein bisschen abgezockter“, wusste auch Giffey nach Spielende. Und so verloren die Berliner das Finale denkbar bitter, obwohl es lange danach ausgesehen hatte, als ob sie es gewinnen würden.