Leon Gawanke trainierte in den vergangenen Jahren weiter in Berlin, nun kehrt er ins Team zurück.
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BerlinWenn die Eisbären Berlin einen Zugang aus Nordamerika verpflichten, geht es in der Regel zunächst mal darum, den Neuen mit dem Verein, der Stadt, den Gepflogenheiten vertraut zu machen. Im aktuellen Fall allerdings ist das anders: Leon Gawanke muss sich nicht eingewöhnen. Der 21 Jahre alte Verteidiger ist auch vier Jahre nach seinem Wechsel von den Eisbären Juniors nach Nordamerika ein Teil des Vereins geblieben. Jeden Sommer trainiert er zusammen mit den Kollegen im Wellblechpalast. Und nun gehört er auch ganz offiziell zum Berliner Profiteam. „Das ist ein sehr schönes Gefühl“, sagt er.

Es ist keine endgültige Rückkehr zu seinem Verein, die Gawanke nun vollzogen hat. Vielmehr ist er von den Winnipeg Jets ausgeliehen. Bei der Organisation der National Hockey League (NHL) steht der Berliner noch bis 2022 unter Vertrag. In der vergangenen Saison spielte er für das Farmteam Manitoba Moose in der American Hockey League (AHL). Nachdem die Saison aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen wurde und noch völlige Unklarheit herrscht, wann und ob überhaupt die neue Spielzeit startet, haben sich die Eisbären, die Jets und Gawanke auf diesen Deal verständigt, von dem alle profitieren.

Gawanke soll Spielpraxis sammeln

Die Jets wissen Gawanke in guten Händen, und was noch wichtiger ist: Er kann in Berlin weiterhin Spielpraxis sammeln. Nachdem er im Vorjahr nur schleppend in die Saison gekommen war, nahm er im Laufe eine immer größere Bedeutung im Team von Manitoba Moose ein. In 48 Spielen traf er viermal und bereitete 26 Treffer vor, für einen Abwehrspieler ist das ein sehr ordentlicher Wert. In Berlin soll er daran anknüpfen und sich empfehlen, um eines Tages den Sprung in die beste Liga der Welt zu schaffen. „Natürlich träume ich weiter davon, in der NHL zu spielen“, sagt er.

Abgesehen von der Spielpraxis profitiert Gawanke insofern, dass er durch die Rückkehr nach Berlin abgesichert ist. Während bei einigen seiner Kollegen völlige Ungewissheit herrscht, wie es für sie weitergeht, kann er nicht nur sportlich planen, sondern erhält von den Eisbären auch ein monatliches Gehalt. Die Einbußen gegenüber vorher nimmt er gerne in Kauf. „Ich bin einfach nur froh, dass ich hier Eishockey spielen kann. Die DEL war für mich immer ein Kindheitstraum.“

Und die Eisbären haben einen Spieler in ihrem Kader, um den sie vielerorts beneidet werden dürften. „Für uns ist das eine super Sache“, sagt Manager Peter John Lee, „du hast ja nicht so oft jemanden im Team, der noch in die NHL kommen kann.“ Trotz der aktuellen Umstände und Unsicherheiten zählt der Kader neun Verteidiger. Von dieser ungewöhnlich hohen Konkurrenz werden die Eisbären profitieren.

Gawanke passt zudem bestens zur neuen deutschen Welle des EHC. Mit Rückkehrer Nino Kinder, 19, Parker Tuomie, 24, und Haakon Hänelt, 17, haben die Eisbären drei Stürmer mit besten Perspektiven für die Zukunft verpflichten können. „Wir setzen nicht nur auf diese Spieler, weil sie jung sind, sondern vor allem, weil sie gut sind“, frohlockt Lee. Das gilt auch für das neue Personal im Tor: Neben Mathias Niederberger, 27, der sich in Düsseldorf zum besten Keeper der DEL entwickelt hat, soll Tobias Ancicka, 19, reifen.

Unklar ist allerdings noch, ob das Team Mitte September zum ersten Mal zusammen aufs Eis geht. In den nächsten Tagen soll sich entscheiden, ob der geplante Auftakt der Champions Hockey League Anfang Oktober verschoben wird. „Falls das so kommt, werden wir das auch noch mal anpassen“, sagt Lee. „Eine zu lange Vorbereitung macht keinen Sinn.“ Für jene Profis, die anders als Gawanke wirklich neu in Berlin sind, bleibt so immerhin mehr Zeit, um sich in der Stadt einzugewöhnen.