Currywurst, Brezel, Butter. Fabian Lustenberger, 31, tischte am Mittwoch groß und zugleich bodenständig auf. Der Schweizer verlässt Hertha BSC nach zwölf Jahren und lud zu seinem Abschiedsinterview im Medienraum des Bundesligisten ein. Er hat in all den Jahren so manchen Zwist mit Reportern gehabt und hielt sich auch nie mit analytischer Medienkritik nicht zurück. Doch der dreifache Vater hat längst seinen Frieden mit den Journalisten gefunden.

Bei Hertha hat sich der Defensivspezialist immer wohlgefühlt – trotz Verletzungsmisere am Anfang als Jungprofi mit einem Mittelfußbruch, trotz zwei Abstiegen, trotz seiner Absetzung als blau-weißer Kapitän 2016. „Bei mir hat es hier zwölf Jahre lang sportlich im Verein und privat mit der Familie gepasst. Als ich vor zwölf Jahren ankam, hätte ich mir das auch nicht erträumt, dass ich so lange bleibe. Es war eine supertolle Zeit, ich werde es vermissen“, sagt er.

Schöner Abschied für Lustenberger

Sein Wechsel zu Young Boys Bern in seine alte Heimat hat genau diese zwei Gründe: A) privat − seine Frau Monique wohnt mit den drei Kindern in der Schweiz. Und b) natürlich das Sportliche. „Es ist jetzt der richtige Moment zu gehen. Jetzt stehe ich noch einigermaßen im Fokus, bin nicht irgendwie Spieler 16, 17. Jetzt bin ich noch wichtig. So ist es mir lieber, als wenn ich später gehe und die Leute nur sagen: Ach der Lustenberger war ja auch noch da. Jetzt habe ich einen schönen Abschied“, lässt er Einblicke in sein Seelenleben zu.

Und er führt fort: „Wenn ich jetzt noch mal Autogramme schreibe, Geschenke von Fans bekomme, dann denke ich kurz an den Abschied. Aber bei mir ist noch Hertha-Alltag. Das realisiere ich wahrscheinlich erst richtig, wenn ich in der Schweiz bin.“
Doch die Verabschiedungszeremonie im Olympiastadion am Sonnabend beim Saisonfinale gegen Leverkusen rückt immer näher. Der sachliche Lustenberger gibt ehrlich zu: „Ich weiß nicht, was mich erwartet. Ich lasse mich überraschen. Es wird ein spezieller Moment, es wird emotional.“

Der Schweizer hat einen vorbildhaften Charakter

Mit sich selbst ist er jedenfalls im Reinen: „Wenn ich mal nicht gespielt habe, wollte ich mir nie vorwerfen lassen, dass ich mich danach hängenlasse. Das ist mir gelungen.“ Fleißig, treu, loyal – diese Charakterzüge treffen alle auf ihn zu. Mit Lustenberger verliert Hertha einen Ausnahmefußballer, der auch ohne große Tricks und Tore auf dem Platz glänzte.