Leuchttum im Zentrum: Warum Louis-Marc Aubry für die Eisbären so wichtig ist

Um Louis-Marc Aubry zu charakterisieren, verlief der Mittwochabend geradezu ideal. Denn beim 4:1 der Eisbären gegen Wolfsburg zum Auftakt des Play-off-Viertelfinals stach der 26 Jahre alte Center aus Kanada nicht nur wegen seiner zwei Treffer heraus. Die Art und Weise, wie er Gefahr in Treffer verwandelte, charakterisiert seinen Stil, Eishockey zu spielen. Aubry wartet nicht auf Torgelegenheiten, er kreiert sie selbst.

Beim 1:0, seine Mannschaft hatte sich zuvor schwergetan den Druck umzuwandeln, führte er den Puck zielsicher an allen Grizzlys-Verteidigern vorbei. Per Rückhandschlenzer schloss er ab. Beim vorentscheidenden 3:1 herrschte Chaos vor dem Wolfsburger Tor, die Scheibe war im Pulk vergraben. Mit einem Stoß gab er dem Hartgummi den nötigen Impuls, um von dort über die Linie zu rutschen.

Ustorfs Königstransfer

Stefan Ustorf, der die Spielerentwicklung bei den Eisbären verantwortet, sah sich wieder einmal bestätigt in seiner Einschätzung, die er dieser Zeitung bereits vor einigen Wochen gab: „Er ist ein hervorragender Schlittschuhläufer, der keine Scheibe verloren gibt und mit seinem Einsatz den Gegner zu sehr vielen Scheibenverlusten zwingt. So erzeugt er für sich und seine Mannschaftskameraden viele offensive Situationen.“ Für Ustorf ist „die sehr, sehr gute Entwicklung, die vielleicht sogar besser ist, als wir das erwartet haben“ auch persönliche Genugtuung. Vor einem knappen Jahr lotste er Aubry nach Berlin − in seiner damaligen Funktion als Sportlicher Leiter. Es war sein Königstransfer, das wird immer deutlicher.

Aubry kam zunächst mal als Aushilfe zu den Eisbären. Nach einer verkorksten Hauptrunde und weil Verletzungen den Berlinern arg zugesetzt hatten, sehnte man sich nach neuen Impulsen. Aubry schien der richtige Mann dafür zu sein, weil der veranlagte Stürmer einen Karriere-Neustart herbeisehnte.

Nachdem er 2010 beim NHL-Draft von den Detroit Red Wings ausgewählt worden war, sollte er beim Farmteam Grand Rapids Griffins in der American Hockey League (AHL) die weiteren Entwicklungsschritte vollziehen. „Als ich dort angefangen habe, war ich sehr mager und körperlich noch nicht ausgereift“, erzählt er. „Ich war kein großes Kind, der Wachstumsschub kam relativ spät.“ Es brauchte Zeit, bis er sein Spiel an seine Größe anpassen konnte, heute misst er 1,93 Meter. „Wenn man schnell wächst, verliert man die Koordination. Ich musste hart arbeiten, um die Kontrolle wiederzubekommen.“

Dass er dabei Fortschritte machte, zeigte sich 2013. Mit dem Team aus Michigan gewann er den Calder Cup, den Titel in der AHL. Aber für den großen Sprung reichte es nicht. Und so setzte das Gefühl ein, aufgerieben zu werden. Lange Reisen quer über den nordamerikanischen Kontinent waren das eine. Wer sich zu lange in einer Farmteamliga aufhält, läuft zudem Gefahr, von den Scouts übersehen zu werden. „Ich bin zu einem Veteran in dieser Liga geworden und ich wollte verhindern, vom Radar zu verschwinden“, sagt Aubry.

Unglücklicher Einstand

Dass er den Griffins den Rücken kehrte, lag aber auch daran, dass er sich in seiner Rolle nicht mehr wohlfühlte. „Damals war ich ganz strikt defensiv zugeteilt.“ In diesem Korsett fühlte er sich unterfordert. „Ich habe mich sehr darauf gefreut, dass ich mich auch in der Offensive besser einbringen kann.“

Seine Eingewöhnung bei den Eisbären verlief nicht reibungslos. In seinen beiden ersten Einsätzen kassierte er jeweils Strafen, die zu Gegentoren führten. Doch dann begann sein steiler Aufstieg in der EHC-Hierarchie. Ustorf sagt: „ Er ist ein Zwei-Wege-Center, der sowohl offensiv als auch defensiv sehr gute Arbeit macht, gerade auch beim Bully.“ In seinen ersten Play-offs 2017 merkte man schnell, wie wichtig er für die Eisbären ist. Als er sich im entscheidenden siebten Spiel gegen Mannheim verletzte, konnten die Eisbären zwar das Viertelfinale für sich entscheiden. Gegen München im Halbfinale fehlte dann eine der Schaltzentralen im Spiel.

In der abgeschlossenen starken Hauptrunde mit Platz zwei konnte man Aubrys wohltuenden Einfluss auf das Eisbärenspiel dann über einen längeren Zeitraum beobachten. Elf Tore erzielte er selbst, vor allem aber profitierten seine Nebenleute. Aubry ist aufgrund seiner Größe eine Art Leuchtturm, an dem sich andere auch in stürmischen Zeiten orientieren können. Aubry sagt: „Meine Größe hilft mir sehr. Wenn du sie richtig einsetzt, kannst du den Puck besser halten und das Spiel kontrollieren.“ Schon am Freitag dürfte das wieder zu beobachten sein. In Wolfsburg steht dann Viertelfinale Nummer zwei an (19.30 Uhr).