BerlinIrgendwie hätte man doch mit ein wenig mehr Aufregung gerechnet. Am Wochenende schon kann Lewis Hamilton Sportgeschichte schreiben, einen Thron besteigen, der eigentlich auf ewig für Michael Schumacher reserviert schien: Sieben Titel, Rekordweltmeister der Formel 1.

Doch der Brite selbst schlendert diesem Moment geradezu unaufgeregt entgegen, schickt lieber tägliche Videos von seinem schlafenden Hund Roscoe um die Welt. Und der englische Boulevard, die Fachpresse, das Fahrerlager? Diskutieren vor dem Großen Preis der Türkei am Sonntag (11.10 Uhr MEZ/Sky und RTL) eher schon, wie es mit Hamilton nach seinem historischen Coup weitergehen wird.

Denn mit nur 13 Worten hatte der Weltmeister zuletzt die Spekulationen um ein Karriere-Ende befeuert. „Ich weiß noch nicht mal, ob ich nächstes Jahr noch hier sein werde“, sagte der Mercedes-Star, angesprochen auf die Zusammensetzung des Werksteams ab 2021. Was kümmere ihn da die Zukunft.

Die Aufregung war danach groß, und es ist ja auch ungewöhnlich, dass der beste Fahrer seiner Generation beim erfolgreichsten Rennstall dieses Jahrtausends auch Mitte November noch keinen Vertrag für das Folgejahr unterschrieben hat.

Hamilton legte zuletzt Wert darauf, dass all das nichts mit Formel-1-Müdigkeit zu tun habe. „Es ist schon November, Weihnachten ist nicht mehr weit“, und er fühle sich trotzdem „großartig, stark, als ob ich noch Monate weitermachen könnte.“ Doch es gebe eben auch „vieles, was mich an einem Leben nach der Formel 1 reizt. Es gibt mehrere Dinge, die mir wichtig sind.“

Doch der Ehrgeizling Hamilton ist noch immer auf der Höhe seines Schaffens, die Aussichten für 2021 dürften ihn enorm reizen: Unter einem weitgehend eingefrorenen Reglement wird er erneut im überlegenen Auto sitzen, sein Teamkollege wird weiterhin Valtteri Bottas sein, den er bislang stets im Griff hatte. Der Weg zum achten Titel, zum alleinigen Rekord also, scheint frei.

Auch bei Mercedes wirkt man nicht völlig unruhig angesichts der ungeklärten Vertragslage. „Solange es keine Unterschrift gibt, ist nichts sicher im Leben“, sagte Motorsportchef Toto Wolff zwar: „Aber ich bin optimistisch, dass er weiterfahren will, weil wir gemeinsam die Nadel noch weiter bewegen können.“

Der Corona-Kalender sei eben dicht gedrängt, man habe schlicht nicht viel Zeit für Verhandlungen gefunden. „Es wird der Moment kommen, wenn die WM entschieden ist“, sagt Wolff, „und danach können wir uns hinsetzen und darüber reden.“

Vermutlich kommt der Moment schon am Sonntag in Istanbul. Für den siebten Titel muss Hamilton bloß vor Bottas ins Ziel kommen.