Der Berliner Fußball Club Preussen hat eine lange Tradition. Das ist schon dem Stadion des Vereins in der Nähe vom S-Bahnhof Lankwitz anzusehen: Eine abgelaufene Tartanbahn trennt den Platz von den verfallenden Steintribünen. Nur auf der Hauttribüne stehen einfache Holzbänke. Das kleine Stadion und das angrenzende Vereinsheim versprühen, frei von jedem Luxus, einen Charme von Purismus, sie erzeugen einen ganz eigenen Wohlfühleffekt.

Auf der Terrasse des kleinen, vereinseigenen Bistros sitzt Andreas Mittelstädt, Präsident der Fußballabteilung und seit Anfang April auch Trainer der ersten Mannschaft. Er selbst sei in Preussens Jugend groß geworden, erzählt er: „Dort waren wir damals eine Macht.“ Er kämpfte mit dem BFC um die Deutsche Meisterschaft, spielte in den entscheidenden Partien so gut, dass der SC Charlottenburg ihn in den Achtzigern verpflichtete und zum Zweitliga-Spieler machte. Den Großteil seiner aktiven Laufbahn verbrachte Mittelstädt aber in der damals drittklassigen Oberliga, gewann auch zwei Mal den Berliner Pokal.

An die große Vergangenheit anknüpfen

Daran will er heute anknüpfen. Gegen den Oberligisten Lichtenberg 47 will Mittelstädt den Titel gewinnen, als Trainer seines Heimatvereins. Ein Sieg und die damit verbundene Qualifikation für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals in der kommenden Saison „wäre für den BFC Preussen eine Sensation“, sagt er. Davon träumt jeder Amateurverein im deutschen Fußball.

Das Beispiel des BFC Preussen zeigt, wie wertvoll so eine Chance sein und was sie bewirken kann. Einen positiven Abschluss findet nun eine Saison, die sonst kaum zufrieden stellte: Der Aufstieg in die Oberliga Nord war das Ziel. Doch zwei Spieltage vor Saisonende steht die Mannschaft nur auf Platz fünf, hat nur noch theoretische Chancen auf Platz zwei vorzurücken und so eine Mini-Aufstiegschance zu wahren.

Es ist einiges schief gelaufen: Niederlagen gegen die Tabellennachbarn, zwei Mal wurde das Trainerteam rausgeschmissen: Nach nur acht Spieltagen trennte der BFC sich von Timo Szumnarski und Guido Spork, Ende März auch von Nachfolger Levent Selim. „Das hatte gar nichts mit der sportlichen Leistung zu tun“, sagt Mittelstädt, „aber wenn wir als Vorstand Vorgaben machen und diese trotz mehrfacher Gespräche nicht eingehalten werden, dann geht’s halt nicht.“

Auch die verschmähten Trainergespanne machten deutlich, dass es intern gekracht hat. Vor allem Selim, der drei Tage vor seiner Entlassung den Pokal-Finaleinzug perfekt machte, klagte in der B.Z.: „Ich kann mit den Leuten nicht mehr arbeiten. Mir sind Gelder im vierstelligen Bereich nicht gezahlt worden.“

Intensives Training mit guter Laune

Mittelstädt hat dann wie Majestix agiert und das Training selbst in die Hand genommen. Wie in der Saison 2013/2014, als er die Mannschaft in den letzten Spielen betreute. Eine lange Eingewöhnungsphase war nicht nötig: „Ich bin sowieso immer dabei, und wir als Vorstand betreuen die Spieler näher als andere Klubs.“

Unterstützt wird er vom Kapitän Rommel Abou-Chaker. Er fungiert als Spielertrainer und steht auch zu Beginn des Trainings im regen Austausch mit Mittelstädt, während sich die Spieler zum Aufwärmen beim Sechs-gegen-Zwei hin und her scheuchen. Gelegentlich lacht Mittelstädt über die Missgeschicke seiner Akteure, die intensiv, aber mit guter Laune trainieren. Diese Lockerheit soll, gepaart mit höchster Konzentration, im Finale den Sieg bringen: „Wir sind sicherlich der Außenseiter, aber wenn jeder 130 Prozent gibt und wir einen guten Tag erwischen, haben wir eine Chance.“

Die Preussen können jetzt ihr Vorhaben, überregional zu spielen, beschleunigen. Erreichen sie den DFB-Pokal, spielen sie nicht nur gegen einen Erst- oder Zweitligisten, sondern bekommen auch eine sechsstellige Prämie. Finanziell würden sich ganz neue Möglichkeiten bieten. Wirtschaftlich lässt sich der BFC ungern in die Karten gucken. Sie hätten einen Geldgeber, sagt Vizepräsident Tobias Viernickel, ohne weiter ins Detail gehen zu wollen: „Das ist seriöses und ehrlich verdientes Geld, aber er möchte sich mit seinem Engagement nicht brüsten.“

Aber auch wenn das Endspiel verloren geht, soll bei Preussen schnellstmöglich wieder höherklassiger Fußball gespielt werden. Hierfür ist es laut Mittelstädt nötig, gute Spieler zu rekrutieren und langfristig an den Verein zu binden: Vor allen Dingen aber müsse der BFC wieder in der Lage sein, „aus der eigenen Jugend schöpfen zu können“. Die Aussicht auf höherklassigen Wettbewerb wäre definitiv eine zusätzliche Motivation für die jungen Talente.

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