Berlin - Lionel Messi hatte sein Argentinien-Shirt schon ausgezogen, ein Fotografen-Leibchen bedeckte seinen Oberkörper. Er war noch mal auf den Platz gekommen, stand dort mit dem Brasilianer Neymar, mit Tite, Casemiro und ein paar Männern in Zivilkleidung. „Wir sind seit drei Tagen hier, haben Sie auf den Beginn des Spiels gewartet?“, fragte der argentinische Kapitän.

Mit „hier“ meinte Messi Brasilien. Dorthin waren Argentiniens Nationalkicker aus Venezuela gereist, um in der Neo Química Arena von São Paulo das WM-Qualifikationsspiel gegen Brasilien auszutragen.

Der Schiedsrichter bricht die Partie ab

Der Klassiker wurde jäh unterbrochen, als nach wenigen Minuten Beamte der Bundespolizei und der staatlichen Gesundheitsbehörde Anvisa auf den Rasen schritten: Vier in England spielende Argentinier sollen gegen die Anti-Corona-Vorschriften verstoßen haben. Messi führte sein Team daraufhin geschlossen in die Kabine. Etwa 50 Minuten später brach der Schiedsrichter die Partie ab. Die argentinische Zeitung El Clarín schrieb: „Die Welt hat an diesem Sonntag einen der größten Skandale in der Geschichte der Südamerika-Qualifikation gesehen.“

Wer ist dafür verantwortlich? Antonio Barra Torres, Konteradmiral der brasilianischen Marine, Gefäßchirurg und Leiter der Gesundheitsbehörde Anvisa, der offenbar, so El Clárin, auf Empfehlung des ehemaligen Fußball-Weltmeisters und jetzigen Senators Romario ins Amt gekommen sei.

England-Profis werden aus Brasilien abgeschoben

Und worum ging es? Torres erklärte, seine Behörde habe bereits am Sonnabend darauf hingewiesen, dass Argentiniens England-Profis Emiliano Bendia und Emiliano Martínez von Aston Villa sowie Cristian Romero und Giovani Lo Celso von Tottenham Hotspur falsche Angaben über ihre Reiseroute gemacht und damit die sanitären Vorgaben des Landes umgangen hätten. Deshalb müssten sie abgeschoben und mit einer Geldstrafe belegt werden. Für Einreisende aus England gelten in Brasilien spezielle Corona-Regeln. 

Zuvor hatten sich die Premier-League-Clubs geweigert, Spieler für Begegnungen in Ländern abzustellen, die auf der Roten Corona-Liste der britischen Regierung stehen. Brasilien musste auf neun Profis von der Insel verzichten. Tja, kombinierten die Fans: War die Schmach aus dem Endspiel der Südamerika-Meisterschaft, bei der Messis Argentinier Neymars Brasilianer besiegten, nicht gerade erst zwei Monate her? Und wollte vielleicht Brasilien, dessen Präsident Corona ja eigentlich für einen kleinen Schnupfen hält, mit allen Mitteln eine erneute Niederlage vermeiden?  

Wie nun der Südamerika-Klassiker gewertet wird, entscheidet die Fifa als WM-Ausrichter.