Geht den Restart der Nationalmannschaft mit drei Kader-Debütanten an: Joachim Löw.
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Frankfurt a. M.Die Rechnung ist schräg, aber ganz hübsch: Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen  Dienstag für die anstehenden Partien in der Nations League den Kader bestimmt, er berief mehr Neulinge als Bayern-Profis. Robin Gosens, Florian Neuhaus und Oliver Baumann dürfen am 3. September in Suttgart gegen Spanien und drei Tage später in Basel gegen die Schweiz auf ein Debüt im Trikot mit dem Adler auf der Brust hoffen.

Hinzu kommt Leroy Sané, ein Neuling bei den Bayern, nicht in der Nationalmannschaft. Dort ist er ein Rückkehrer, ebenso wie sein Münchner Teamkollege Niklas Süle. Wie erwartet nicht im Aufgebot befinden sich  die vier Münchner Champions-League-Sieger Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry sowie die Leipziger Halbfinalisten Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg, auf die Löw freiwillig verzichtet.

Es geht wieder los mit der zweiten Auflage der Nations League, Löw wirkte dennoch nicht gelöst, sondern sehr nachdenklich. Nach vielen schwierigen Momenten auch im privaten Umfeld will der Bundestrainer aber mit neuer Kraft den Neustart der deutschen Fußball-Nationalmannschaft angehen. Das große Ziel heißt trotz aller Hindernisse: EM 2021. „Wir werden versuchen, in diesen Spielen gewisse Prinzipien für unser Spiel einzuschleifen und durchzubringen. Ich möchte mit einer selbstbewussten Mannschaft in das Turnier gehen, die sich nicht nur am Gegner orientiert, sondern ihre eigene Philosophie durchsetzt“, sagte Löw bei der Nominierung seines ersten Kaders nach mehr als neun Monaten Pause. „Die EM steht über allem, daran werden wir gemessen“

Insgesamt berief der Bundestrainer am Dienstag 22 Akteure in sein Aufgebot für die Länderspiele gegen Spanien und die Schweiz. Zum DFB-Team gehören auch Julian Draxler und Thilo Kehrer vom Champions-League-Finalisten Paris Saint-Germain, die Löw trotz deren Endspielteilnahme in der Königsklasse nominierte. Nach langer Verletzungspause gehört auch Verteidiger Antonio Rüdiger vom FC Chelsea wieder zum deutschen Team.

Für die Aussortierten Thomas Müller,  Mats Hummels und den ohnehin mit einem  Muskelfaserriss im Oberschenkel unpässlichen Jerôme Boateng hat Bundestrainer Löw aktuell keinen Platz mehr. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es für mich keine Veranlassung. So, wie es jetzt aussieht, ist dieser Weg gut“, sagte der 60-Jährige. Er sei allerdings auch der Letzte, der seine Entscheidungen nicht korrigiert, „wenn Zeitpunkt X kommt“, bemerkte Löw mit Hinweis auf mögliche Verletzungsausfälle vor dem nächsten großen Turnier.

Für Außenbahnspieler Gosens endet mit der ersten Nominierung eine extra Warteschleife. Schon im März hatte Löw den 26-Jährigen von Atalanta Bergamo für die letztlich abgesagte EM-Tests in Spanien und gegen Italien nominieren wollen - Corona verhinderte das Debüt. Der Gladbacher Neuhaus galt auch schon lange als möglicher Löw-Kandidat. 2019 gehörte der Mittelfeldspieler zur U21, die bei der EM bis ins Finale kam.

Mit der Nominierung von Baumann reagiert Löw auf die Vakanz im Tor. Durch den Verzicht auf Kapitän Neuer und die Knieverletzung von Marc-André ter Stegen hatte der Bundestrainer in Bernd Leno vom FC Arsenal und dem Frankfurter Kevin Trapp nur noch zwei Torhüter im Aufgebot. Nun darf sich der 30 Jahre alte Hoffenheimer Baumann als mögliches Backup hinter dem etablierten Quartett vorstellen.

Wie schon bei seiner großen Corona-Mahnung im März gewährte Löw wieder einen Einblick in seiner Gefühlswelt in der Pandemie-Zeit. „Es war ein persönliches Empfinden in der Situation. Wie kann es passieren, woher kommt es, was muss man sich für Gedanken machen um die Zukunft“, sagte Löw. „Ich habe mich auch um Familie und Freunde stärker gekümmert, als es sonst üblich war. Für einige im Bekanntenkreis war es nicht so einfach, ich kenne auch Menschen, die krank waren“, sagte der Bundestrainer.

Im Vergleich zum letzten Länderspiel am 19. November 2019 beim 6:1 gegen Nordirland verzichtet Löw auch auf einige Akteure. Nicht mehr dabei sind unter anderem Jonas Hector, Niklas Stark und Nadiem Amiri. Die Zeit für eine Rückkehr des erneut lange verletzten Marco Reus ist noch nicht gekommen. Seinen Kader versammeln wird Löw am kommenden Montag in Stuttgart. Das tägliche Training ist im Stadion der Stuttgarter Kickers vorgesehen.