Strahlender Sieger: Trainer Wolfgang Wolf vom designierten Meister in der Regionalliga Nordost, Lok Leipzig.
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BerlinWas muss man noch alles tun, um Meister der Fußball-Regionalliga-Nordost zu werden? Diese Frage stellt sich die VSG Altglienicke, aktuell Tabellenführer, punktgleich mit dem 1. FC Lok Leipzig, der allerdings ein Spiel weniger aufweist.

Das Auswärtsspiel der Leipziger beim Berliner AK am 8. März fiel Wetterunbilden zum Opfer. Altglienicke konnte damals dagegen das Duell  bei Chemie Leipzig (4:2-Auswärtssieg) am 7. März noch austragen, ehe das Corona-Virus die Liga stoppte. Die Tabelle dieser spannenden Liga gab sowieso ein schiefes Bild ab, da Rot-Weiß Erfurt nach Insolvenz das Team zurückziehen musste.

Altglienicke, die Mannschaft aus dem Südosten Berlins, spielt unter ihrem neuen Trainer Karsten Heine (65), der einst Hertha BSC und den 1. FC Union coachte, die beste Saison seit Jahrzehnten. Das Team wurde „Herbstmeister“ und führte zehnmal die Tabelle an, Konkurrent Lok Leipzig lediglich einmal, der im Moment Drittplatzierte Energie Cottbus zweimal. Dennoch wird das nach der jüngsten Videokonferenz des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) mit den Vereinen dieser Liga nicht ausreichen, um als Meister gekürt zu werden, der danach die beiden Relegationsspiele gegen den Vertreter der Liga West um den Aufstieg in Liga Drei bestreiten muss.

Das letzte Meinungsbild ergab, dass die meisten Vereine einen Abbruch der Saison fordern, es keine Absteiger geben soll und der Meister nach der Quotientenregelung ermittelt werden soll. Dabei werden die erzielten Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt. Der ehemalige Pokalsieger der DDR, der 1. FC Lok Leipzig, der viele Anhänger besitzt, wäre der Meister. Rund 80 Prozent der Vereine der Liga hätten dafür gestimmt. Andere Modelle wie ein Viererturnier mit Lok, Altglienicke, Cottbus und Hertha BSC II, wurden verworfen.

Die VSG um Trainer Heine hatte auch ein Entscheidungsspiel zwischen Altglienicke und Leipzig vorgeschlagen. Voraussichtlich vergeblich. Im Punkspiel in Berlin trennten sich beide Teams 2:2, das Rückspiel wäre am letzten Spieltag der Hit in Leipzig gewesen. „Darauf hatten wir uns alle gefreut“, sagte Lok-Trainer Wolfgang Wolf. „Wenn wir nun Meister werden sollten, würden wir es mit Demut annehmen.“ Noch ist das aber nicht offiziell, laut NOFV ist noch keine finale Entscheidung gefallen. Zudem muss Lok bei der Lizenz für die Dritte Liga noch nachbessern, hat Auflagen bekommen.

Wir müssten uns der Mehrheit beugen.

Marco Schröder, VSG Altglienicke

In der Videokonferenz mit dem NOFV haben die meisten Vereine die Meinung vertreten, dass die Quotientenregelung beim Meisterrennen zwar keine sportliche, aber letztlich die fairste Lösung sei. Altglienicke ist sehr enttäuscht, will aber nach jüngsten Meldungen diese Entscheidung wahrscheinlich „zähneknirschend“ akzeptieren. Geschäftsführer Marco Schröder: „Wir müssten uns der Mehrheit beugen.“

Anders Energie Cottbus. Die Mannschaft liegt zwei Punkte hinter Lok und Altglienicke zurück. Energie will einen Antrag an den NOFV stellen und dort eine sportliche Lösung fordern und diese mit Vorschlägen unterfüttern.

Letztendlich muss das Präsidium des NOFV entscheiden. Das wird wohl aber erst passieren, wenn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine endgültige Regelung für die 3. Liga gefunden hat. Es kann Ende Mai/Anfang Juni werden.