So entspannt wie Sascha Pfeffer könnte sein 1. FC Lok Leipzig nun Meister in der Regionalliga Nordost werden.
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LeipzigDer 1. FC  Lok Leipzig hat einen Rekord geknackt, von dessen Existenz bisher kaum jemand wusste. Einen Europarekord, der aus dem Jahre 1937 stammt. Nicht im Toreschießen oder Torekassieren oder Gegenspielerumsensen, sondern im Verkauf von Eintrittskarten.

Unter dem Motto "Leute, macht die Bude voll!" veräußerte der Regionalligist Karten für eine Begegnung, der man nur im virutellen Raum habhaft werden konnte und die auch noch gegen einen unsichtbaren Gegner stattfand. 182.612 Tickets brachten die Leipziger an den Fan. Zum Stückpreis von einem Euro, zugegeben, ein Schnäppchen. Das Geld fließt nun, als Spende verbucht, in die Vereinskasse.

Am Sonnabend lief die Übertragung in deutscher und englischer Sprache live im Internet. Leipzig gewann das Spiel 5:0. "Die vollkommen überforderten Gäste warfen zum Halbzeitpfiff das Handtuch", lautete das Fazit aus Sicht der Gast- und Gasgeber.

Das setzt der Coronakrise die Krone auf, im besten Sinne, die kontinentale Krone. Die trugen bisher die Schotten, seit 1937, wie bereits erwähnt, als 149.547 Zuschauer - gar nicht geizig - das Länderspiel gegen England sehen wollten, im real existierenden Hampden Park zu Glasgow. Internet gab es ja noch nicht. Unwesentlich geringer als heute war die Torausbeute damals, Schottland gewann jenes Freundschaftsspiel 3:1.

Einen Quotientenmeister gibt es auch nicht alle Tage, und so wie es aussieht, könnte Lok hier ebenfalls einen vermutlich historischen Erfolg erringen.  Es kristallisiere sich immer mehr die Quotientenregelung heraus, sagte Erwin Bugar, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Lok Leipzig wäre dann der Profiteur: Nach Abbruch wegen der Corona-Pandemie liegt das Team mit 47 Zählern vor der punktgleichen VSG Altglienicke, die aber ein Spiel weniger bestritten hat und übrigens auf Quotienten pfeift. Schließlich waren die Berliner die meiste Zeit Tabellenführer und Herbstmeister noch dazu. Ein Titel, den es eigentlich nicht gibt, den dafür aber jeder kennt.

Eine Entscheidung soll am Dienstag getroffen werden. Der Nordost-Meister müsste Ende Juni/Anfang Juli in Relegationsspielen gegen den Meister der West-Regionalliga den Aufsteiger zur 3. Liga ermitteln. Ob es zu diesen Aufstiegsspielen kommt, ist allerdings so offen wie die offene deutsche Meisterschaft im Unbekannte-Rekorde-Knacken.