Ein Torwart-Patzer, wie er halt mal vorkommen kann: Fabian Guderitz.
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LeipzigJeder, der schon mal einen Ball in der Hand hatte, kennt so eine Situation wie sie Lok Leipzigs Torhüter Fabian Guderitz am Donnerstagabend im Bruno-Plache-Stadion erlebt hat: Wenn etwas, was eigentlich ganz leicht sein sollte, völlig misslingt. Wenn der Ball beim vorwärts Werfen nach hinten kullert, wenn der Aufschlag unter statt über dem Netz durchrutscht. Guderitz stand unbedrängt in der Mitte seines Tors, der Ball senkte sich von oben ohne viel Wumms, ohne Effet, der Schlussmann wollte ihn mit beiden Händen aus der Luft pflücken wie schon so oft in seiner Karriere. Aber der Ball flutscht durch seine Handschuhe und rutschte hinter ihm in die Maschen. Es war die 88. Spielminute. Und es war das 2:2 (1:1) im Play-off-Hinspiel um den Aufstieg in die Dritte Liga gegen den SC Verl aus der Regionalliga West.

"Das ist grausam für uns. Das ist natürlich ein Genickschlag", sagte Loks Trainer Wolfgang Wolf. Er habe so etwas allerdings auch nicht zum ersten Mal in seiner langen Fußball-Karriere erlebt. "Wir werden ihm jetzt auch nicht den Kopf runterreißen." Direkt nach dem späten Ausgleich wurde Guderitz, 23,  von seinem Teamkollegen Robert Zickert in den Arm genommen, aufgemuntert. Nach dem Spiel zog sich der 23 Jahre alte Torhüter das  weinrote Trikot über den Kopf, als wolle er am liebsten unsichtbar sein.

Zuvor hatte Loks Trainersohn Patrick Wolf die Gastgeber per Direktabnahme schon in der 6. Minute aus kurzer Distanz in Führung gebracht. Patrick Schikowski (45.+1) glich kurz vor der Pause nach einem schnell vorgetragenen Konter aus. Der in der Halbzeit eingewechselte Matthias Steinborn (56.) stellte die Führung für Lok mit einem sehenswerten Distanzschuss wieder her.  Steinborn hatte eigentlich mit einem Einsatz von Beginn an gerechnet in dieser wichtigen Partie für die Mannschaft aus der Regionalliga Nordost gegen das Team aus der Regionalliga West. "Ich hatte Wut im Bauch", sagte Steinborn. Damit hatte Trainer Wolf offenbar kalkuliert. 

"Der Aufstiegskrimi bleibt spannend", titelte Lok Leipzig den Spielbericht auf seiner Homepage. "Es ist noch nichts passiert", konstatierte Trainer Wolf, "man hat gesehen, dass Verl nicht unverwundbar ist". Das Rückspiel am kommenden Dienstag (16.00 Uhr/MDR) findet allerdings definitiv nicht in Verl statt. Das Vereinsgelände des SC liegt nur etwa 15 Kilometer entfernt vom Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück, wo sich bislang mehr als 1.500 Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben. Als Alternative wird das Stadion von Bundesliga-Absteiger SC Paderborn gehandelt, wo Verl im Falle eines Aufstiegs auch seine Drittliga-Heimspiele austragen will.

Verl profitierte vom Verzicht des West-Staffelsiegers SV Rödinghausen auf die Relegationsspiele. Lok Leipzig wurde dank der Quotientenregelung zum Nordost-Meister gekürt, obwohl die punktgleiche VSG Altglienicke aufgrund des besseren Torverhältnisses die Tabelle angeführt hatte. 

Verls Vereinspräsident Raimund Bertels drängt beim Deutschen Fußball-Bund auf eine schnelle Lösung . Eine Verschiebung über den 30. Juni hinaus kommt für Lok nicht infrage. "Ab 1. Juli haben fast alle Spieler keine Verträge mehr", sagte Sportdirektor Wolfgang Wolf, der zugleich das Amt des Cheftrainers ausübt.