Gardony - Lukas Nmecha lieferte seinen Teamkollegen gleich doppelten Grund zum Feiern. Der Topstürmer der U21-Nationalelf rettete nicht nur die Partylaune nach dem Patzer von Geburtstagskind Finn Dahmen, sondern auch die Ausgangsposition des deutschen Teams vor dem EM-Gruppenfinale. „Ich stand halt am richtigen Platz, und dann war es nicht mehr schwer“, sagte der 22 Jahre alte Nmecha über seinen erlösenden Treffer zum 1:1 (0:0) im EM-Klassiker gegen die Niederlande am Sonnabend. „Das war ein sehr wichtiger Punkt.“

Der deutsche Nachwuchs liegt auf Platz eins

Dank des Nmecha-Tores nach Vorbereitung von Joker Jonathan Burkardt (84. Minute) liegt der Nachwuchs des Deutschen Fußball-Bundes in der Gruppe A vor dem letzten Spiel gegen Rumänien auf Platz eins – und kann schon mit einem Remis das EM-Viertelfinale sichern. „Da müssen wir noch mal 100 Prozent Gas geben“, sagte U21-Nationalcoach Stefan Kuntz nach einer komplizierten Recheneinheit trotz der Erkenntnis, dass ein Punkt reicht. Denn auch ein Aus ist bei einer Niederlage noch möglich. Verteidiger Amos Pieper stellte fest: „Wir haben alles in der eigenen Hand und das ist der Punkt.“ Ausgespielt wird die K.o.-Runde der EM wegen der Corona-Pandemie dann erst ab Ende Mai.

Ein spezieller Dank an Nmecha dürfte auch von Torhüter Finn Dahmen gekommen sein. Der Mainzer, der erst kurz vor der EM zum vorläufigen Stammkeeper erklärt worden war, patzte vor dem 1:0 der Niederländer durch den Leipziger Justin Kluivert (48.) schwer, als er über den Ball trat. Vorwürfe bekam Dahmen dafür an seinem 23. Geburtstag aber nicht zu hören. „Die jungen Spieler dürfen Fehler machen, sie sollen an den Fehlern wachsen“, sagte Kuntz. Ein bisschen Trost sollten in der Nacht nach dem Spiel eine Geburtstagstorte und ein „schreckliches“ Ständchen des Teams spenden, wie Kuntz ankündigte.

Die Stimmung auf der „lahmen“ Geburtstagsparty, die Kuntz nach einem kräftezehrenden Spiel in Aussicht stellte, dürfte vor allem dank Nmecha um einiges besser gewesen sein. Der Stürmer, der bis zu seinem Wechsel in die deutsche U21 Anfang 2019 für Englands Nachwuchs-Teams aufgelaufen war, hat sich in der U21 als echter Torgarant erwiesen. Zehn Treffer in 16 U21-Spielen stehen in Nmechas Statistik, in seinen jüngsten acht Einsätzen traf er achtmal. Gegen die Niederlande profitierte er allerdings auch von einer starken kämpferischen Leistung der gesamten Elf, die sich den Punkt damit verdiente.

„Er hat sich bei uns als Topstürmer in der U21 etabliert“, lobte Kuntz den 1,85 Meter großen Mittelstürmer, der derzeit von Manchester City an RSC Anderlecht ausgeliehen ist und beim VfL Wolfsburg schon Bundesliga-Erfahrung sammelte. „Lukas ist ein überragender Typ. Er trifft gefühlt jedes Spiel. Er hilft uns auf dem Platz enorm“, sagte Pieper über den in Hamburg geborenen Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers, der als Kind mit der Familie nach England auswanderte.

Kuntz’ Konzentration liegt auf der U21

Im Angriff ist der DFB-Nachwuchs für den angepeilten Einzug ins EM-Viertelfinale mit Torjäger Nmecha bestens aufgestellt. Der 22-Jährige war auch 2019 beim 4:2-Sieg im EM-Halbfinale gegen Rumänien schon dabei. Im Tor dagegen soll Dahmen nach seinem Patzer zumindest im letzten Gruppenspiel gegen Rumänien wohl noch eine weitere Chance bekommen, wie Kuntz andeutete. Der Coach verwies aber auch auf eine „Torhüterproblematik“ in Deutschland und die fehlende Spielpraxis seiner Keeper: „Dann passiert so was halt.“

Am Sonntag äußerte sich Kuntz zudem zurückhaltend zu seinen Ambitionen als Nachfolger von Joachim Löw, der sein Amt als Bundestrainer nach der Euro bekanntlich abgibt. „Wenn ich mit nur einem Prozent nicht bei der U21 wäre, dann würde ich hier den Job nicht richtig machen. Danach ist genug Zeit, andere Dinge zu diskutieren“, sagte Kuntz.

„Ich glaube, dass der DFB gesagt hat, dass er niemanden kontaktieren will, der bei einem anderen Verein einen Vertrag hat. Die Schlussfolgerung könnt ihr jetzt ziehen“, sagte der 58-jährige Kuntz in der Liveschalte beim Sport1-„Doppelpass“. DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte am vergangenen Montag bei der Nationalmannschaft betont: „Ich habe wirklich keine Eile, weil wir DFB-intern eine gute Lösung haben.“