„Döner passt zu mir – er kommt von der Straße wie ich": Lukas Podolski.
Foto: Imago Images/Future Image

Berlin/KölnDer Mittwoch wird für Lukas Podolski ein großer Tag. Er wird sich einem Millionenpublikum als TV-Experte bei RTL vorstellen, in seiner Herzensstadt Köln, beim Länderspiel gegen seine geliebte zweite Fußball-Heimat Türkei. Er wird alte Weltmeister-Freunde treffen – also, ganz klar: „Ein Fall für Poldi.“ Aber nicht nur das! Sein Döner kommt in zwei Bundesländern in die Tiefkühlregale einer Supermarktkette: „Döner passt zu mir – er kommt von der Straße wie ich.“

Lukas Podolski tanzt auf der Grenze zwischen aktiver Karriere und dem Leben danach. Er ist noch ein Edeljoker beim Tabellensechsten Antalyaspor im Urlaubsparadies an der Türkischen Riviera, dort spielt er an der Seite von Nuri Sahin und Sidney Sam – und wie immer und überall ist er beliebt wie kein anderer.

Parallel baut er für die Zeit ohne Fußball vor, die für einen 35-Jährigen unweigerlich heranrast: mit (bald) neun Dönerläden, Eisdielen, für die er mit Verkaufsfahrrad im italienischen Stil der 1940er-Jahre posiert, der Klamottenmarke „Straßenkicker“ und einer Soccerhalle. „Wir sind noch nicht am Ende“, sagt er, das galt für seinen „Weltmeisterdöner“.

Zusätzlich kann es nicht schaden, nach 130 Länderspielen mal bei der anderen Seite des Fußballgeschäfts reinzuschnuppern. „Ich freue mich, dass ich als TV-Experte meine Erfahrungen mit dem deutschen und türkischen Fußball einbringen und bei der Gelegenheit auch Jogi und die Jungs mal wiedersehen kann“, sagte er. Podolski erwartet „ein interessantes Spiel“, in dem „Deutschland natürlich Favorit ist“.

Klingt eigentlich alles spitze – wäre da nicht der 1. FC Köln. Im Umfeld des Effzeh, Podolskis Lebensliebe des Fußballs und seiner Abschussrampe zum Ruhm, herrscht Chaos, nach drei Spielen noch null Punkte, der Trainer beginnt zu wackeln. „Es ist, als hinge ein Fluch über dem Geißbockheim“, klagt Podolski. „Kaum ein Spieler, der hierherkommt, entwickelt sich so weiter, wie man sich das erhofft.“

Solche Aussagen schlagen immer noch ein, besonders in Köln, wo viele davon träumen, dass ihr „Poldi“ irgendwann zurückkehrt und alles gut wird. Nicht ausgeschlossen, dass es so kommen wird, jedoch nicht in einer Lage wie dieser, in der widerstreitende Lager, zu denen auch Alt-Internationale zählen, in verschiedene Richtungen zerren. „Dieses ewige Gegeneinander muss endlich aufhören“, sagte Podolski dem „Express“, „wir müssen an einem Strang ziehen, wie es anderen Vereinen auch gelingt.“

Ein wenig Wehmut ist also auch dabei, wenn Lukas Podolski in „seinem“ Stadion um 20.15 Uhr das RTL-Mikrofon in die Hand nimmt. Auch aus einem anderen Grunde: Er kann sich von seinem Kölner Publikum nicht feiern lassen – es wird traurigerweise wohl keines da sein.