Lukas Reichel würde gerne in der NHL spielen.
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BerlinLukas Reichel hatte seine bisherige Eishockeykarriere auf dieses eine Event ausgerichtet: den Draft der nordamerikanischen Profiliga NHL. Denn mit der Auswahl der besten Talente nimmt in der Regel eine Karriere in Übersee Fahrt auf. Und dem 17 Jahre alten Stürmer der Eisbären Berlin werden gute Chancen darauf eingeräumt.

Wie so ziemlich jede Großveranstaltung ist vergangene Woche auch die Talenteziehung vom 26. und 27. Juni in Montréal auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Momentan weiß   niemand, wann und wie sich die Klubs die Rechte an den Nachwuchsspielern sichern. Gleiches gilt für die sogenannte Scouting Combine, den traditionellen Leistungstest vor dem Draft mit Vorstellungsgesprächen bei den interessierten Klubs. „Momentan bleibt einem nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis sich das alles wieder beruhigt hat“, sagt Reichel.

Reichel spricht mit NHL-Abgesandten

Der NHL-Traum lebt insbesondere dann weiter, wenn die Abgesandten der Teams zum Interview via Facetime bitten. „Mit den Detroit Red Wings und den Toronto Maple Leafs habe ich gesprochen“, erzählt Reichel, der in seiner ersten Profisaison je zwölf Tore schoss und vorbereitete. In den Gesprächen wollen sich die Klubverantwortlichen ein Bild machen, mit was für Spielerpersönlichkeiten sie es zu tun haben. Die Performance auf dem Eis wurde ja bereits gründlich analysiert. Ein Geheimnis bleibt, wie sich die Jungprofis in Schlüsselspielen präsentieren. Denn Play-offs finden aktuell nirgendwo statt.

Um sich in bester Verfassung zu präsentieren, wenn die Teams eines Tages zum Leistungstest rufen, würde sich Reichel gerne mit EHC-Fitnesscoach Jake Jensen zusammensetzen. Das aktuell größte Manko Reichels ist sein Gewicht. Mit rund 78 Kilogramm ist er noch zu leicht. Um massiver zu werden, reicht es nicht aus, einfach nur ein Steak mehr in die Pfanne zu hauen. Es braucht den richtigen Muskelaufbau. Aber der muss ruhen, solange der Kraftraum im Sportforum genauso geschlossen ist wie alle Fitnessstudios in der Stadt.

Draft per Videoschalte

Zusammen mit Bruder und Mitbewohner Thomas, 20, der als DEL-Perspektivspieler zuletzt beim Farmteam in Weißwasser spielte, versucht sich Lukas Reichel anzustacheln, aus den Gegebenheiten das Beste zu machen. „Wir machen Liegestützen, gehen zusammen joggen“, sagt er. „Und danach kochen wir als Belohnung zusammen.“

Das Kribbeln ist dennoch nicht verflogen, wenn er an seinen NHL-Traum denkt. Selbst wenn der Draft nur per Videoschalte stattfinden sollte, „wäre das ein einmaliges Erlebnis“, ist   sich Reichel sicher. Für ihn ist die Vorfreude auch das beste Mittel, um dem aktuell tristen Eishockeyalltag zu entfliehen.