Dodi Lukebakio hat sich für sein zweites Jahr bei Hertha BSC viel vorgenommen. Sieben Tore wie vergangene Saison reichen dem Flügelstürmer und Trainer Bruno Labbadia nicht mehr.
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BerlinEs war eine der kuriosesten Szenen der verkorksten Hertha-Saison. Am 33. Spieltag setzte Herthas Winterzugang Krzysztof Piatek zum grandiosen Solo-Lauf im Leverkusener Strafraum an, doch kurz vor der Torlinie nahm ihm Dodi Lukebakio den Ball weg und schob diesen in der 54. Minute zum 2:0-Endstand über die Linie. Eine echter Torklau, der Pole nahm es dem Belgier nicht übel und Lukebakio konnte mit ihm jubeln. Schließlich schraubte er zumindest in der Statistik - Trainer Bruno Labbadia sprach den Treffer zu 95 Prozent Piatek zu – sein Torkonto auf sieben Treffer hoch. Damit war er mit dem 35-jährigen Vedad Ibisevic bester Saison-Torschütze der Blau-Weißen. Doch teamintern Bester zu sein, ist wirklich nicht gut genug.

Das Doppelte an Treffern wäre in der Bundesliga Durchschnitt für einen Angreifer. Und 34-mal einnetzen, wie es Bayerns Torschützenkönig Robert Lewandowski gemacht hat, ist schlichtweg eine andere Liga. Lukebakio war vergangenen Sommer der teuerste Transfer bei Hertha BSC. Im August 2019 blätterten die Blau-Weißen 20 Millionen Euro für den 22-Jährigen an Premier-League-Klub FC Watford hin. Dementsprechend hoch waren auch die Erwartungen. Doch ganz konnte der Belgier sie vergangene Saison nicht erfüllen, auch wenn er neben seinen Treffern immerhin zehn Tore seiner Mitspieler vorbereitete. Lukebakio muss in seinem zweiten blau-weißen Jahr besser werden.

Lukebakio wirkte in Düsseldorf dynamischer

„Dodi muss seine Fähigkeiten, die er hat, mehr zum Tragen bringen. Mehr Tempo, mehr das 1:1-Spiel suchen und nicht so oft stoppen und warten, bis der Gegner kommt. Er muss stabiler werden“, erklärt Labbadia.

In der Saison 2018/19 war der Stürmer als Leihspieler bei Liga-Konkurrent Fortuna Düsseldorf, dort machte er zehn Treffer und wirkte am Rhein völlig ungehemmt und dynamischer. Bei Hertha litt er wie viele andere Spieler auch an den ständigen Trainerwechseln, erst Ante Covic, dann Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri und dann Labbadia. Dem Belgier mit den dünnen Beinen sah man deutlich an, dass ihn die ganze Situation verunsichert hatte. Lange wurde er von einer Position zur anderen geschubst – mal Mittelstürmer, mal Linksaußen, mal Rechtsaußen.

Labbadia setzte ihn schließlich vorwiegend auf seiner Lieblingsposition ein. Der Trainer fasst es so zusammen: „Bei uns hat er fast immer auf der rechten Seite gespielt. Er muss jetzt aber eine Entwicklung nehmen wie jeder andere Spieler auch. Sonst kommen wir nicht weiter.“

Beim internen 2:1-Testspiel am Wochenende zeigte Lukebakio schon mehr Mut bei den Dribblings. „Er hatte drei sehr gute Situationen“, lobt Labbadia. Doch es ist noch jede Menge Arbeit. „Die letzten Monate waren sehr intensiv für Dodi. Jetzt müssen wir ihn auf ein Level bringen, dass er die Leistung über 90 Minuten bringt. Am besten dreimal in der Woche“, so der Coach.

Natürlich denkt Labbadia daran, dass Hertha in den nächsten Jahren international spielen will. Er hat dabei aber auch sein favorisiertes 4-3-3-System im Auge, in dem Lukebakio als rechter Flügelstürmer eine entscheidende Rolle spielen soll. Vielleicht zelebriert er dann mit etwas mehr Mut auch ein Solo im Strafraum und passt zu Piatek. Eine Wiedergutmachung der besonderen Art.