Entwicklungshelfer in der Major League Soccer: Lutz Pfannenstiel.
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St. LouisDie Sache mit Mario Götze, na ja, die sei ein bisschen falsch rübergekommen, sagt Lutz Pfannenstiel. Er werde „natürlich“ auch Spieler wie den Weltmeister von 2014 „auf dem Schirm haben“, hatte er gesagt, das schon, aber eben mit der Betonung auf „wie“. Er selbst, beteuert Pfannenstiel, habe dessen Namen „nie genannt“. Warum auch? „Ich glaube nicht, dass Mario Götze jetzt die nächsten zwei Jahre darauf wartet, zu mir nach St. Louis zu kommen.“ Wird er nicht.

Götze, 28, will unbedingt die Champions League gewinnen, er sucht also einen Verein in Europa, mit dem das möglich wäre. Pfannenstiel wird in den kommenden zwei Jahren erst mal dafür sorgen müssen, dass der St. Louis City Soccer Club vorbereitet ist, wenn er 2023 sein erstes Spiel in der nordamerikanischen Profiliga MLS bestreitet. „Wie soll ich mich zwei Jahre vorher mit Mario Götze befassen?“, fragt er. Zwei Jahre übrigens, weil im Sommer 2022 der Kader stehen sollte.

Der 47 Jahre alte Bayer leistet Entwicklungshilfe, muss eine Akademie für den Nachwuchs aufbauen, Personal einstellen, Spieler sichten. Als Erstes hat er den früheren Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters verpflichtet, den er aus fünf gemeinsamen Jahren Hoffenheim kennt. „Da passt die Chemie.“

St. Louis hat eine mehr als 100 Jahre währende Tradition im Fußball. Zum MLS-Franchise in St. Louis kam es nun, als dann die Erbinnen eines großen Autoverleihers investieren wollten. Ihre erste wichtige Verpflichtung: Pfannenstiel.

„Ich habe viele Sachen gehört, die mich stark an Hoffenheim erinnert haben“, berichtet Pfannenstiel über die Vorstellungen der Klubbesitzer. Für Hoffenheim hat er acht Jahre gearbeitet. Den neuen Chefs wiederum gefiel Pfannenstiels Spielidee. „Mir gefällt der Stil von Julian Nagelsmann“, dieser habe den ursprünglichen Charakter von RB Leipzig weiterentwickelt. „Und das ist die Richtung, in die wir gehen wollen.“

Pfannenstiel ist nach seinem vorzeitigen Abschied bei Fortuna Düsseldorf nun am richtigen Ort, denn bei einem Klub aus den USA hat er auf seiner Weltreise nie gespielt. Dafür aber in der USL (United Soccer League) für die Calgary Mustangs und die Vancouver Whitecaps. Weshalb er nun behauptet, dass er noch immer ziemlich gut vernetzt sei in Nordamerika.

Gut möglich, dass es Pfannenstiel auch mal wieder mit David Beckham zu tun bekommt: Dem Engländer gehört der MLS-Klub Inter Miami. Tatsächlich haben die beiden schon mal gegeneinander gespielt. Im November 2007 bestritt Beckham mit L.A. Galaxy ein Freundschaftsspiel in Vancouver, Pfannenstiel kickte auch kurz mit, doch an die Partie vor 50.000 Zuschauern erinnert er sich ungern: „Die waren nur gekommen, um Beckham zu sehen. Vom Fußball hatten die keine Ahnung.“ Das wird in St. Louis anders sein.