Madrid - Cristiano Ronaldo rutschte auf den Knien über den Rasen, lachte und riss die Arme nach oben. Trainer José Mourinho katapultierte sich von der Bank und schlitterte auf den Knien über das Grün, man fürchtete um den schicken Maßanzug. Drumherum 70.000 Zuschauer in Ekstase. Ach, wie schön kann Fußball sein!

Uneingeweihte Beobachter hätten am Dienstagabend im Estadio Santiago Bernabéu den Eindruck gewinnen können, Real Madrid habe soeben den zehnten Titel in der Champions League gewonnen und nicht die erste Gruppenpartie. Der befreiende Jubel war dem Ärger der vergangenen Wochen geschuldet – und dem Spielverlauf. Es war ein Tanz am Abgrund gewesen, der im Gipfelsturm und einer rührenden Versöhnungsfeier kulminierte. Großes Theater. Und Ronaldo als Held mittendrin.

Beim vorherigen Auftritt vor den eigenen Fans hatte der Portugiese seine Tore nicht feiern wollen, er sprach von seiner Traurigkeit. Nachdem Real nun gegen Manchester City in einer wilden Schlussphase zwei Rückstände wettgemacht hatte, gelang ausgerechnet ihm in letzter Sekunde der 3:2-Siegtreffer. Minuten vorher, nach dem 2:1 der Engländer, hatten einige Zuschauer das Weite gesucht, weil die nächste Enttäuschung drohte. Gestern durften die Sportzeitungen der Hauptstadt endlich wieder jauchzen: „Eine Aufholjagd für die Legende“, titelte As. Mourinho hatte lange einen andere Schlagzeile fürchten müssen: „Er ist verrückt!“ Das hätten sie wohl geschrieben, wäre es schiefgegangen, vermutete der Trainer, als er nach dem Spiel erneut mit den Medien abrechnete. Die aber sind nicht schuld, dass Cristiano Ronaldo fremdelte und Real in der Liga acht Punkte Rückstand auf Barcelona hat.

Zuletzt hatten die Königlichen 0:1 in Sevilla verloren, wofür Mourinho Abwehrchef Sergio Ramos und Mesut Özil büßen ließ. Beide blieben auf der Bank. Der Deutsche war in Andalusien wie ein Schatten seiner selbst über den Rasen gehuscht, Ramos hatte beim Gegentor gepatzt und später auch noch seine Überraschung über Mourinhos harsche Mannschaftskritik zu äußern gewagt.

Özil nur auf der Bank

Der Coach setzte im Mittelfeld auf Muskeln, mit dem anderen Deutschen Sami Khedira und dem Debütanten Michael Essien neben Xabi Alonso. Erst später, als der eingewechselte Edin Dzeko die Gäste nach einem Konter in Führung gebracht hatte (68.), durften Özil, Luka Modric und Karim Benzema rein. Marcelo schaffte den Ausgleich (75.), und nachdem die Citizens durch Alexander Kolarovs Freistoß erneut vorgelegt hatten (84.), gelang Benzema das 2:2 (86.), bevor Ronaldo das Publikum ins Delirium versetzte.

Stolz sei er auf das Team, sagte Mourinho. Real Madrid dürfe verlieren, aber nur, „wenn die Spieler kämpfen wie die Tiere“. Nüchtern betrachtet war das Niveau allerdings einem Duell von spanischem und englischem Meister unwürdig. Lange dominierte Madrid ohne zu harmonieren. City, die Millionärsansammlung von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, hatte sich eine gute Stunde als feiges und biederes Team präsentiert. In der Endphase war es dann ein Schlagabtausch wie auf dem Schulhof.