BerlinBonn, Piräus, Oldenburg – drei Städte und drei Spiele in sechs Tagen. So lautete das Programm der letzten Woche von Malte Delow und den Basketballern von Alba Berlin. Viel Spiel- und Reisestress für den 19-Jährigen und dennoch „freue ich mich jedes Mal dabei zu sein und denke mir, wie geil das ist.“

Vielleicht hängt diese Sicht auf die Dinge damit zusammen, dass der Guard noch kein Vollprofi bei Alba Berlin ist. Genau wie der 20-jährige Forward Lorenz Brenneke ist er ein Doppellizenzspieler. Dieser Status erlaubt es dem Duo mit Albas Profis zu trainieren sowie in Bundesliga (BBL) und Euroleague zu spielen, aber auch für Kooperationspartner Lok Bernau in der Pro B auf dem Feld zu stehen. Die Erfahrungen mit ehemaligen Berliner Doppellizenzspielern haben gezeigt, dass das Konzept aufgeht. Und sie lassen vermuten, dass Delow und Brenneke auch in den kommenden Monaten vom eng getakteten Alba-Spielplan profitieren könnten.

16 Spiele muss Alba Berlin bis zum Jahresende noch absolvieren

16 Spiele müssen die Berliner allein in den sechseinhalb Wochen bis zum Jahresende noch absolvieren. Ein Mammutprogramm, zusätzlich erschwert durch die noch eingeschränkte physische Leistungsfähigkeit nach 14-tägiger Quarantäne. Den Verantwortlichen bei Alba bereitete die zuletzt viel Kopfschmerzen, Delow und Brenneke bot sie Chancen: „Dadurch, dass nach der Quarantäne alle auf einem unterschiedlichen Fitnesslevel waren, sind Lücken entstanden, die Lorenz und ich auffüllen mussten“, sagt Delow. Während Brenneke dies allen voran im Training und in Spiel eins nach der Zwangspause gegen Barcelona tat, stand Delow in jedem der vergangenen fünf Alba-Partien im Kader.

„Sie sind uns eine große Hilfe“, sagt Sportdirektor Himar Ojeda über die beiden Jüngsten in Albas Profikader. Das Konzept Doppellizenzspieler sei eine Win-win-Situation, fügt er an und erklärt: „Sie helfen uns, offene Plätze im Kader zu füllen. Wir geben ihnen Raum, sich zu entwickeln.“ Neben dem gelegentlichen Aushelfen bei den Spielen nimmt das deutlich regelmäßigere Trainieren mit den Profis eine Schlüsselrolle ein. Sehr zur Freude von Delow: „Wir können von extrem guten Spielern auf einem extrem hohen Niveau extrem viel lernen.“ Und Brenneke ergänzt: „Das sind viele ganz kleine Dinge, auf die in der Pro B eher nicht so Wert gelegt wird.“ Dinge, die allerdings idealerweise genau dort Anwendung finden.

Das Duo wirkt noch überhastet

So geht die Rolle von Delow und Brenneke in Bernau deutlich über gelegentliches Aushelfen hinaus: „In Bernau haben wir die Verantwortung, viel zu spielen und das Vertrauen, unsere Würfe zu nehmen und die Go-to-Guys zu sein“, sagt Delow. Weil das Konzept Doppellizenzspieler es so vorsieht und weil Delow und Brenneke diese Erwartungen zu erfüllen wissen. Während Brenneke gleich in seinem ersten Drittligaspiel der Saison mit 27 Punkten glänzte, überzeugt Delow mit durchschnittlich knapp zehn Punkten und sechs Rebounds in über 25 Minuten Spielzeit pro Partie. Von Ojeda bekommt er vor allem Vielseitigkeit attestiert. Und: „Er liest und versteht das Spiel sehr gut.“ Brenneke hingegen spiele schon etwas reifer und habe seit der letzten Saison vor allem mental große Fortschritte gemacht, so der Sportdirektor, „er ist fokussierter, spielt entschlossener“.

Dass das Duo bei seinen Auftritten für Albas Profis mitunter dennoch etwas nervös wirkt, manchmal etwas überhastet agiert, ist nur logisch. Partien gegen den FC Barcelona und Olympiakos Piräus sind eben noch neu und kein Alltag. „Du merkst natürlich, ob du gegen einen Nikola Mirotic (Top-Spieler des FC Barcelona, Anm. d. Red.) oder gegen einen Forward aus der Pro B spielst“, sagt Brenneke und Delow ergänzt: „Die Selbstverständlichkeit, mit der zum Beispiel Jayson Granger oder Maodo Lo spielen, fehlt mir noch extrem.“

Dass es sich mit dem Selbstvertrauen von Delow und Brenneke anders verhält, hat viel mit Coach Aito Garcia Reneses und seinen Trainerkollegen zu tun. Sie arbeiten viel mit ihnen, loben immer wieder gute Aktionen in Spiel und Training und erklären selbst kleinste Details ausführlich und zur Not auch mehrfach. „Man merkt, dass das Vertrauen da ist. Das hilft natürlich, locker auftreten zu können“, so Brenneke. Die Beispiele dafür, dass sich dieses Vertrauen in die Doppellizenzspieler auszahlen kann, sind zahlreich. Tim Schneider, Jonas Mattisseck und Bennet Hundt sind nur einige derjenigen, die auf ihrem Weg in die BBL auch für Bernau aufgelaufen sind. 

Dass auch Delow und Brenneke den Sprung zum Vollprofi bei Alba schaffen, ist natürlich noch nicht sicher, zumindest aber das von allen Beteiligten erklärte Ziel. Dass der Weg dorthin auch weiterhin sowohl bei Alba als auch in Bernau gegangen werden soll, zeigte das vergangene Wochenende einmal mehr: Während Malte Delow am Sonntag beim Albas knappen Sieg in Oldenburg zu seinem nächsten Profieinsatz kam, war Lorenz Brenneke mit Bernau in der Pro B bei den BSW Sixers aus Sandersdorf in Aktion. Zu wünschen wäre Alba und vor allem Brenneke, dass die Fußverletzung, die er sich in Halbzeit zwei der Partie zuzog, keine lange Pause bedeutet.